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Mittwoch, 17. August 2016

Experimente

















Zusammenfassung & Stand der Dinge:
  • lustiges Experiment. So habe ich mich wenigstens aufgerafft und was gemacht, statt den Abend vor Twitter zu vertrödeln.
  • das Ganze soll übrigens am Ende ein Stoffbild für einen Kreativwettbewerb auf Arbeit werden.
  • das mit der Papierschablone ging nicht so gut wie erhofft. Wahrscheinlich war das Papier zu dick und schlecht aufgeklebt und die Farbe etwas zu flüssig und mein Sieb noch zu nass. Ich hatte das bisher schon mit Vinylfolie probiert, das ging besser. Aber ich probiere weiter. Die Schrift kann man nicht so gut lesen wie gewünscht (nach dem Drucken ist sie sogar richtig zusammengelaufen, weil zuviel Farbe durchs Sieb kam), aber ich habe noch Ideen, das "zu retten".
  • ich habe mit alten Farben aus meinem Kurs in Mannheim gearbeitet und gedacht, ich mische einfach meine Reste von Gelb und Blau zu Grün. Leider waren das nicht die richtigen Primärfarben, wie ich sie in meinen Färbeversuchen verwendet habe, deswegen war das Ergebnis nicht gut, die Farbe danach aber alle. Ich hatte im Vorfeld auch keinen Verdicker angesetzt, weil ich dachte, ich komme mit den Resten aus - gut, so geht es halt morgen weiter.
  • Nachtrag: bei dem Stoff handelt es sich um einen alten Bestands-Baumwollstoff, wahrscheinlich von IKEA. Ich bin mir im Nachhinein nicht sicher, ob ich den vorgewaschen habe, evt ist der Druck dadurch auch so schlecht geworden. Hoffentlich wasche ich die ganze Farbe nicht wieder aus, weil noch Appretur drauf war!
Feedback ausdrücklich erwünscht!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Dienstag, 17. März 2015

Hosen - ich jetzt auch. Selbstkonstruierte Jeans, Teil 1

Nachdem ich dieses Jahr bisher nur für die Kinder genäht habe, muss ich endlich an meiner eigenen Garderobe arbeiten. Mir fehlen vor allem Hosen, die ich überdies gern selbst konstruieren möchte, und über meinen Fortschritt dabei berichte ich jetzt hier.

Der erste wichtige Schritt: ich habe mir eingestanden, dass ich aktuell zu faul bin/zu gerne Schokolade esse, um etwas an dem im letzten Jahr gewachsenen Bauchumfang zu ändern. Sich möglicherweise ändernde Körpermaße sind also kein Aufschiebegrund mehr und so habe ich mich vor zwei Wochen endlich an die Schnittkonstruktion gewagt.

Die Hose ist mein erster Konstruktionsversuch, da ich aber schon länger mit Schnittkonstruktion liebäugele, hatte ich schon diverse Werkzeuge/Materialien beschafft:

  • Schneiderlineal von Prym
  • 1m Metalllineal aus dem Baumarkt
  • Winkelmesser
  • Kopierrädchen und Blaupapier
  • Radiergummi und Bleistift
  • Fineliner
  • Papier

Etwas unsicher war ich ja, welches Papier ich für die Schnittkonstruktion benutzen sollte. Aber glücklicherweise habe ich ja Twitter für mich entdeckt:
Eigentlich dachte ich ja, das möglichst festes Papier für die Schnittkonstruktion sinnvoll wäre. Immi Meyer wies dann darauf hin, das leicht durchscheinendes Papier wegen des Kopiervorgangs vorteilhafter wäre (stimmt) und Drehumdiebolzeningenieur bemerkte, dass man den fertigen (Grund)Schnitt dann ja auch auf dickeres Papier übertragen könnte (hatte ich gar nicht dran gedacht). Außerdem schenkte sie mir auch ein paar Meter ihres Konstruktionspapiers (vom Roten Faden), dass ich dann aber erst beim zweiten Konstruktionsschritt verwendet habe, weil ich Angst hatte, das "gute" Papier bei meinem ersten Versuch zu ruinieren *hust*. Für die Grundkonstruktion verwendete ich also das von Frau Crafteln und Froken Nordlys empfohlene Schnittmusterpapier von Stoff&Stil.

Ich habe meine Hosenkonstruktion nach der Anleitung im Buch "Schnittkonstruktion für Damenmode" von Guido Hofenbitzer gearbeitet und fand diese sehr verständlich. Allerdings muss ich sagen, dass ich auch den Craftsy-Kurs "Patternmaking Basics: Skirt Sloper" belegt habe und ich möchte nicht ausschließen, dass mir dies deutlich geholfen hat - die Konstruktion ist zwar völlig anders (es wird ein Rock konstruiert), aber im Kurs wird gut die prinzipielle Vorgehensweise erläutert und man bekommt beim Schauen ein Gefühl dafür, wie der Konstruktionsprozess eigentlich abläuft.

Nachdem ich mit der Konstruktion nach Lehrbuch fertig war, habe ich den Schnitt einfach direkt mit Blaupapier und Kopierrädchen auf den Stoff für mein erstes Probemodell übertragen. Dies war eine spontane Idee, um etwas Zeit zu sparen und möglichst schnell den Schnitt testen zu können, aber im Nachhinein war es wirklich praktisch. Zum einen konnte ich anhand der Nahtlinien kontrollieren, dass ich wirklich exakt genäht habe, und zum anderen erleichterte es die spätere Rückübertragung der weiteren Anpassungen.

Mein erstes Probemodell sah so aus:

Ich war mal ein Bettlaken.

Ich war angenehm überrascht. Man kann sehen, dass es an einigen Stellen noch etwas spannt, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass der erste Versuch schon so gut ausfällt. Für dieses erste Modell habe ich mit Konstruktion & Nähen übrigens knapp unter 5 Stunden gebraucht - Mittagessen ist an dem Tag einfach mal ausgefallen.

Danach wurde es etwas schwieriger. Finetuning war angesagt, und ich habe mit Hilfe des Buches "Pants for Real People" letztendlich folgende Änderungen gemacht:
  • vordere Abnäher offen gelassen, dafür obere Seitennaht etwas enger gemacht
  • etwas Mehrweite auf Hüfthöhe
  • etwas Mehrweite bei vorderer Innenbeinnaht
  • vordere Schrittkurve geringfügig angepasst
  • Knieweite reduziert
(zu den hier erwähnten Büchern verweise ich hiermit auch gern nochmal auf meinen Nähbücher-Post von Weihnachten)

Diese Auflistung ist das Ergebnis eines längeren Iterationsprozesses: vorm Spiegel stehen, auf dem Stoff die Stellen für Änderung markieren, alte Naht auftrennen, neuen Nahtverlauf nähen - und wieder vorm Spiegel stehen. Das Schwierigste ist wahrscheinlich, zu wissen, wann gut ist - bei mir war jedenfalls irgendwann der Punkt erreicht, bei dem "bin zufrieden" und "habe keine Lust mehr" aufeinander trafen. Danach habe ich alle Änderungen auf den ursprünglich konstruierten Schnitt übertragen und das Resultat für die weitere Konstruktion auf das etwas robustere Papier vom Roten Faden kopiert (wieder per Blaupapier & Kopierrädchen).

Da ich mir ja Jeans nähen möchte, habe ich mit diesem Schnitt nun eine rückwärtige Passe und einen Formbund konstruiert (alles wie im Buch beschrieben). Und danach ein zweites Probemodell genäht. Den Reißverschluss beim Probemodell habe ich einfach mittig eingenäht und am oberen Rand vom Bund habe ich vorm Annähen an den Rest der Hose noch Baumwollband aufgenäht - der Formbund ist zu großen Teilen im schrägen Fadenlauf geschnitten und würde sich sonst hemmungslos dehnen.

Was aus IKEA-Vorhängen noch alles werden kann...

Im ersten Moment dachte ich: Yeah! Super! Dann schaute ich mir die Fotos genauer an und dachte: Was hängt da eigentlich an meinem Hintern? Sowas kannst Du ja unmöglich auf Dein Blog stellen und von perfekter Passform sprechen...

Also habe ich noch etwas herumprobiert (= Stoff abgesteckt) und herausgefunden, dass ich zur Bekämpfung der rückwärtigen Hängepartie eine Art "horizontalen Abnäher" in der Hinterhose benötige. Muss man sich so vorstellen:


In der Hosenmitt habe ich ganze 3 cm Länge entfernt. Und mit diesem Abnäher sah das Ergebnis dann für meine Ansprüche wirklich nahezu perfekt aus. Hier ein Vorher-Nachher-Foto:

Die beiden äußeren Bilder sind ohne, die beiden inneren Bilder mit "Horizontal-Abnäher".

Der schräge Verlauf der Seitennaht ist zwar nicht optimal, aber das lasse ich jetzt erstmal so. NAch diesem Schnitt (+ Taschen) nähe ich mir jetzt mein erstes Paar Jeans *bibber*. Ja, ich werde diesen Oma-mäßigen hohen Bund nähen - ich trage meine Oberteile sowieso meist über dem Hosenbund und finde den hohen Bund deutlich bequemer, zumal ich es am unteren Rücken gern warm habe. Etwas Sorge habe ich wegen des Stoffes - schon bei den Probemodellen habe ich festgestellt, dass sich die verschiedenen Stoffe sehr unterschiedlich verhalten, und ich bin mal gespannt, wie sich jetzt der Jeansstoff mit diesem Schnitt macht. Versuch macht klug. Zum Dauerverhalten von verschiedenen Stoffen schrieb Mema am Wochenende übrigens einen sehr lesenswerten Beitrag.
Ich werde weiter berichten. Und falls ihr Anmerkungen oder Fragen habt: nur her damit!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

verlinkt beim creadienstag

Dienstag, 17. Februar 2015

Regenbogenkleid & neue Füßchen

Kind1 wollte sich zu Karneval gern als "Regenbogenprinzessin" verkleiden. Ich hatte nicht richtig zugehört und nur "Prinzessin" verstanden (hence Kleid 1), aber als sie beim Anblick des rosa Satin fragte, wo denn die anderen Farben wären, konnte ich mich nicht mehr um das Nähen eines zweiten Kleides drücken.

Da mir das erste Kleid sehr gut gefiel, wollte ich ein weiteres nach dem Schnitt nähen (Willemientje von Farbenmix). Für die Umsetzung meiner Regenbogenidee wurde das Schnittmuster noch verändert, hier die Auflistung aller Änderungen und eine kleine Skizze:
  • Saum vom Überrock begradigt (kein Bogenausschnitt)
  • Passe verlängert & mit Rock zu einem Schnittteil verbunden
  • dieses Schnittteil dann längs in Streifen geschnitten
  • Träger etwas nach innen versetzt

Technische Zeichnung

Generell sollte das Kleid weniger prinzessinenhaft werden, damit Kind1 es auch noch als normales Sommerkleid tragen kann. Ich entschied mich daher für einfache Baumwollstoffe, die ich um zwei selbstgefärbte Stoffe ergänzte, und ich freue mich echt, dass ich dieses Projekt komplett aus Bestandsmaterialen nähen konnte (wie wohl viele Näherinnen kaufe ich mehr Stoffe als ich vernähe, dieser Entwicklung möchte ich in 2015 mit einer Stoffstatistik etwas entgegensetzen).

Hier das Endprodukt:

Regenbogenkleid nach Farbenmix "Willemientje"

Stoffe: Blau und Grün sind Baumwollleinen von Stoff&Stil, Pink ist Baumwollstoff "Moire" von Buttinette, Rot ist irgendein Quiltstoff, Gelb und Orange sind selbstgefärbt (Ausgangstoff war ein weißer Quiltstoff), das helle Rosa vom Unterkleid ist Popeline Kornfeld vom Stoffekontor. Rot/Orange/Gelb gefallen mir durch ihre leicht melierte Struktur am besten, das Baumwollleinen ist ok, aus dem Buttinette-Stoff würde ich kein ganzes Kleid nähen, aber für Akzepte ist er auch ok (fällt nicht so schön). Die Popeline ist für das Unterkleid sehr gut, wäre mir für das Oberkleid aber zu steif (sie ist leicht und dünn, aber halt etwas steif).

Man kann in dem Kleid auch putzen, wenn man unbedingt möchte.

Das Kleid wurde im wesentlichen nach der Anleitung von Farbenmix genäht, am Rücken habe ich mich dabei das erste Mal an einem nahtverdeckten Reißverschluss versucht. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch wenn die beiden Hälften nicht ganz auf der gleichen Höhe abschließen - man muss ja auch noch Raum für Verbesserungen lassen :-). Zum Nähen habe ich meinen neuen Spezialfuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse benutzt und damit ging es - wie von einigen anderen Selbstnäherinnen auf Twitter schon angekündigt - tatsächlich sehr leicht.

Fuß für nahtverdeckten RV // Außenansicht RV // Innenansicht RV

Das war nicht der einzige Spezialfuß, der bei dem Kleid zum Einsatz kam - ebenso habe ich meinen neuen "Vertikalstich-Ausrichtungsfuß" und meinen "Kräuselfuß" verwendet (ich habe eine Schwäche für Nähfüße).

Ausrichtungsfuß // Ausrichtungsfuß // Kräuselfuß

Der Vertikalstich-Ausrichtungsfuß (in manchen Geschäften auch "Stichführungsfuß") ist ein Fuß mit einem eingebauten Lineal und eignet sich super für das genaue Abstandshalten beim Nähen. Im linken Bild sieht man, wie ich damit exakt eine Nahtzugabe von 1 cm einhalte, obwohl ich die Hilfslinien auf der Stichplatte nicht erkennen kann, weil ich den unten liegenden Stoff vom Oberkleid eher schlampig zugeschnitten habe (im angepassten Schnittmuster wollte ich keine Nahtzugabe einzeichnen und habe daher etwas improvisiert). Im mittleren Bild sieht man, wie ich den Fuß nutze, um beim Säumen eine zweite parallele Naht zu nähen.

Den Kräuselfuß (rechtes Bild, hier ein Produktvideo) habe ich schon länger, aber noch nie wirklich genutzt. Bei Willemientje kam er endlich zum Einsatz, da ich damit den Rüschensaum recht schnell annähen konnte: einfach einen extra langen Stoffstreifen säumen und direkt mit Hilfe des Kräuselfußes festnähen, dabei am Anfang ca. 5 cm Stoffstreifen nicht festnähen (für den späteren Ringschluss). Ein paar Millimeter vor Ende des Saumkreises habe ich dann den Rest des Stoffstreifens mit etwas Nahtzugabe abgeschnitten und das Ende des Stoffstreifens mit dem Anfang zusammengenäht (= Ringschluss). Dabei bleibt zwar ein Rest Saumstreifen übrig, aber dafür brauche ich nichts genau abmessen oder heften und mühselig verteilen. Ich habe den Saumstreifen erst mit dem Kräuselfuß an das Kleid genäht und danach die Kante noch einmal mit der Overlock versäubert.

Den Saum vom Oberkleid habe ich mit Satinband verstürzt. Ist nicht optimal, da sich das Satinband nicht so schön an die Rundungen anpasst, aber "it does the job". Zum Feststeppen das Saumes von außen habe ich wegen der vielen verschiedenen Farben mit Transparentgarn gearbeitet, was ich aus dem Quiltbereich kannte (ich habe auch eine Schwäche für Spezialgarne).

Saum vom Oberkleid von innen und außen

So. Mit dem Gesamtergebnis bin ich sehr zufrieden, jetzt hoffe ich, dass das Kleid im Sommer rege zum Einsatz kommt und die schwer entfernbaren Flecken lange auf sich warten lassen (die Tomatensauce im Kindergarten eignet sich nämlich auch super zum Stoffe färben).

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Anmerkung: ich habe beim Korrekturlesen dieses Blogartikels 15 Mal das Wort "übrigens" rausgestrichen. Irgendwie gruselig.

verlinkt bei creadienstag und meitlisache

Dienstag, 13. Januar 2015

Über Haie, Sterne und Krönchen - Erfahrungen zu diversen Bügelfolien

Zu Jahresbeginn habe ich drei Langarmshirts für Kind1 genäht und mit Bügelbildern verziert, und so dachte ich, ich schreibe mal etwas über die diverse Bügelfolien, die ich bisher ausprobiert habe.

Drei individuelle Langarmshirts nach Ottobre 4/2011, Schnitt 25 ("More Grey", Raglanshirt)

Vorab ein paar allgemeine Hinweise: ich schneide die Bügelbilder mit einem Silhouette Cameo Hobbyschneideplotter und nutze zum Aufbügeln eine Elnapress Limited Edition. Meist verziere ich selbstgenähte Kleidung und bügle die Motive direkt nach dem Zuschneiden auf die Schnittteile auf, also vor dem Zusammennähen des Kleidungsstücks. Die Bezugsquellen für die unten genannten Folien sind Neptun Kreativshop und Hobbyplotter.de.

Flexfolie: Neptun Flex Design und Hobbyplotter Flex Cut Folie

Ich habe bisher die Flexfolie von Neptun (in rot) und die Hobbyplotter Hausmarke (in gelb, grün und lila) ausprobiert und war stets zufrieden. Die Folien scheinen mir nicht identisch, selbst innerhalb einer Marke gibt es zwischen den Farben geringfügige Unterschiede (zumindest hatte ich das Gefühl, dass die Trägerfolie beim Hobbyplotter Lila stärker klebt als bei den anderen beiden Farben), die Unterschiede sind meiner Meinung nach aber bei sorgfältiger Arbeit vernachlässigbar. Flexfolien sind die günstigsten Folien und sie lassen sich am besten mit dem Kleidungsstück verbinden, damit sind sie für mich die allgemeinen Basisfolien.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flexfolie geschnitten und die Trägerfolie noch heiß abgezogen.

Ich nehme die Flexfolie übrigens gern, um Größen"etiketten" für meine selbstgenähten Kleidungsstücke zu erstellen.

Selbst erstellte Größenetiketten - super Anwendung für Flexfolie

Beim Geburtstagsshirt meiner Tochter hatte ich ein zweifarbiges Motiv erstellt und die Farben übereinander aufgebügelt, was problemlos funktioniert hat (bei der zweiten Farbe mit Backpapier über dem Gesamtmotiv, um nicht die erste Farbe am Bügeleisen zu haben). Nach mehreren Wäschen scheint die zweite Farblage aber etwas brüchig zu werden - liegt wohl daran, dass ich sie auf eine durchgehende erste Farbschicht gebügelt habe und der so "versiegelte" Untergrund nicht so flexibel ist, was sich bei dem recht großen Motiv dann negativ bemerkbar macht.

Zweifarbiges Bügelbild, Original mit Kakaofleck!

Neptun Flock Design

Flockfolien sind etwas teurer als Flexfolien und haben eine samtartige Oberfläche. Durch die Oberflächenstruktur wirkt das Bügelbild meiner Meinung nach etwas hochwertiger, allerdings ist die Folie auch etwas steifer als Flexfolie (allerdings nicht so steif wie die noch folgende Holographiefolie). Mit der Neptun Flockfolie habe ich gute Erfahrungen gemacht, ich habe daraus problemlos sehr detaillierte Motive ausschneiden können (man beachte die Atomgewichte im "PSE-Cute" unten) und die Bügelbilder haben alle bisherigen Wäschen gut überstanden. Eine Kombination aus Flex- und Flockdesign sieht bestimmt auch schön aus, habe ich aber bisher nicht probiert.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flockfolie geschnitten und die Trägerfolie vor dem Abziehen leicht abkühlen lassen (funktionierte besser als heißes abziehen).

Mal nicht selbstgenäht, sondern nur Kaufkleidung individualisiert.

Glitzerfolie: Neptun Holographie Design und Neptun Glitzer Design

Glitzer ist bei uns im Haus der ganz große Renner, also habe ich mich auch mal an Glitzerfolie versucht. Mein erster Versuch war die Neptun Holographie Folie. Diese Folie hat eine glatte Oberfläche und ist auch nach dem Aufbügeln noch recht steif; für große, flächige Motive ist sie daher weniger geeignet. Ich habe zwei verschiedene Motive auf die Sweathosen für Kind1 gebügelt, und da diese Hosen im Dauereinsatz sind, kann ich hier mal zwei Härtetest-Ergebnisse zeigen:

Links eine Sternchen-Kombination, rechts ein schmetterlingsjagender Hai

Beide Motive befinden sich auf dem unteren rechten Hosenbein. Das eher feine Sternenmotiv hat sich gut gehalten (wobei ein paar der kleinen Sterne - Motivgröße ca. 1 cm - abgefallen sind), das großflächige Hai-Motiv hingegen hat seine Farbe verloren! Die Folie ist noch da, aber irgendwie wurden die Farbpigmente rausgewaschen oder der optische Effekt durch die häufige Belastung zerstört.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flockfolie geschnitten und die Trägerfolie heiß abgezogen.

Da ich von der Holographiefolie nicht so begeistert war, habe ich anschließend die Neptun Glitzer Design Bügelfolie probiert. Diese Folie kann man von der Struktur mit der Flockfolie vergleichen (ähnliche Dicke/Flexibilität), allerdings ist sie nicht samtig, sondern besitzt eine rauhe, glitzernde Oberfläche (ähnlich wie feines Schleifpapier). Ich habe die Folie einmal als einzelnes großes Motiv (die Krone im Foto ganz oben) und einmal in Kombination mit Flexfolie als kleines Motiv auf je ein Shirt gebügelt, allerdings haben diese Shirts bisher nur zwei Wäschen hinter sich und es lässt sich noch nichts über die Dauerfestigkeit berichten (diese beiden Wäschen hat die Folie aber problemlos überstanden). Ich finde sie aber sowohl von der Optik als auch Haptik deutlich schöner als die Holographie-Folie.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flockfolie geschnitten und die Trägerfolie heiß abgezogen.

Detailaufnahme der Schmetterlinge vom oben gezeigten Shirt, Glitzerfolie über Flexfolie

Generell muss ich sagen, dass mir die Arbeit mit den Folien echt Spaß macht, zumal man mit dem Schneideplotter wirklich schöne Motive erstellen kann (man könnte die Folien aber auch mit der Schere ausschneiden). Und weil das Thema Bügelfolien vielleicht noch andere Selbermacherinnen interessiert, schicke ich es noch ganz schnell zum creadienstag. Danach aber ab ins Bett :-)

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Was die Näherin (nicht) braucht

So. Das Universum will mich zwar mit aller Macht (in Form von grippalen Infekten, Magen-Darm-Viren und einem nachtschlafunwilligen Kind2) vom Nähen und Bloggen abhalten, aber ich gebe nicht auf. Und bevor Weihnachten ist, will ich mich noch unbedingt an der Nähgadget-Aktion von der Drehumdiebolzeningenieurin beteiligen. Da ich aber kaum richtige Nähgadgets besitze, möchte ich Euch lieber erzählen, was ihr Euch eher nicht zu wünschen braucht:

3 mal Fail: Aqua Fixierstift, flexibles Kurvenlineal und selbstgebauter Bügelamboss

  1. Den Prym Aqua Fixierstift: ursprünglich gekauft als Hilfsmittel zum Reißverschlusseinnähen. Im Prinzip macht ein UHU- oder Prittstift aber das gleiche, finde ich.
  2. Das Prym Kurvenlineal: irgendwo hatte ich am Anfang meiner Nähkarriere mal gelesen, dass dieses Lineal ganz toll sei. Habe leider vergessen, für was, und bisher habe ich auch keine Einsatzmöglichkeit gehabt, bei der es ein normales Maßband nicht auch getan hätte.
  3. Einen selbstgebauten Bügelamboss: nachdem ich "Shirtmaking" von David Coffin gelesen hatte, brauchte ich unbedingt einen Bügelamboss. Leider war ich zu geizig, das Geld dafür auszugeben, und habe mir von einem Bekannten einen bauen lassen. Nun, das war am falschen Ende gespart: es kommt bei den Dingern nicht nur auf die Form, sondern auch auf ein paar Fertigungsdetails an, die der Durchschnittstischler vielleicht nicht kennt. Santa Lucia Patterns empfiehlt ja http://buegelamboss.de/ als Bezugsquelle, vielleicht kaufe ich mir dann irgendwann doch mal noch einen richtigen.

Und jetzt noch schnell eine Liste meiner Lieblingshelferlein:

  1. Feine Glaskopfstecknadeln: Als ich mit Nähen begann, arbeitete ich mit einem Haufen alter Stecknadeln von meiner Mutter. Die Entscheidung, diese wegzuwerfen und durch "frische" Nadeln zu ersetzen, hat meine Näherlebnis entscheidend verbessert. Ich benutze die feinen Clover Patchwork Stecknadeln - sie verbiegen sich zwar leicht, sind aber wirklich wunderbar leichtgängig und auch für feine Stoffe geeignet.
  2. Clover Natural Fit Lederfingerhut: Tolles Ding. Damit wird Handnähen richtig komfortabel.
  3. "Stoffgewichte" aus dem Baumarkt: Warum habe ich eigentlich so lange gewartet, bis ich mir eine Packung Unterlegscheiben gekauft habe? Macht das Zuschneiden deutlich komfortabler. Könnte man übrigens auch mit Bändern oder Stoffen umwickeln und dann an Nähnerdfreundinnen verschenken.

Bei praktischem jedem Projekt dabei: Lederfingerhut, feine Stecknadeln, Unterlegscheiben

So. Und jetzt muss ich unbedingt noch ein paar Mützen für meine Kinder nähen. Irgendwie wachsen die Dickköpfe so schnell...

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix



Sonntag, 2. November 2014

Ta-Da! (Herbstquilt, Teil 9: Geschafft)

Fertig! Geschafft! Basta! Finale!


Ja, ich habe es tatsächlich geschafft. Der Quilt ist fertig, sieht super aus, und hat seine neue Besitzerin mittlerweile erreicht (und für viel Freude gesorgt). Er war nämlich von Anfang an nicht für mich, sondern für die Tochter meiner besten Freundin M. gedacht. Und nein, es tut mir überhaupt nicht weh, ihn abzugeben - ich bin mir sicher, dass er bei der kleinen H. ein gutes Zuhause hat. Und ich kann ja bei jedem Besuch kontrollieren, ob er auch ordentlich benutzt und liebgehabt wird.


Was gibt es denn jetzt noch zu erzählen? Erstmal die "Danksagungen": besonders hervorheben möchte ich dabei Kniehebel, Automatischer Fadenabschneider, Obertransportfuß und Stich Nr. 16. Das sind vier Features meiner Nähmaschine, die ich beim Nähen des Quilts besonders hilfreich fand, und auf die ich etwas näher eingehen möchte (nur für den Fall, dass eine Leserin Gründe für eine Neuanschaffung sucht).


Zuallererst der Kniehebel. Super Funktion, möchte ich nie nie mehr darauf verzichten. Beim Quilten nicht, aber auch sonst nicht. Wer sich darunter nichts vorstellen kann: mit dem Kniehebel kann man den Nähfuß bedienen (heben/senken) und hat damit beide Hände frei, um das Nähgut genau zu platzieren. Außerdem ist er auch beim Applizieren hilfreich, wenn man wie ich zum Stoff drehen den Fuß häufig anhebt - geht einfach alles ein klein bisschen schneller damit, weil man die Hände nicht vom Stoff wegnehmen muss.

Der Fadenabschneider ist auch äußerst schick. Einmal auf die Taste drücken und die Fäden werden abgeschnitten und auf die Rückseite gezogen. Beim Quilten war das zwar nicht notwendig, aber beim Zusammensetzen des Tops mit den vielen kurzen Nähten sorgt die Funktion für spürbaren Extra-Komfort.

Zum Obertransportfuß will ich nicht viel sagen - war bisher nur beim Quilten im Einsatz. Da ist er hilfreich, damit sich die drei Lagen nicht so gegeneinander verschieben, für andere Projekte habe ich ihn aber bisher nicht genutzt.

Stich Nr. 16 ist mein heimlicher Held beim Quilten. Er ist ein ganz normaler Geradstich, näht aber rückwärts - die Maschine macht also das, was man sonst über Drücken der "Rückwärtstaste" erreichent, nur macht sie es beim Betätigen des Fußpedals. Und da ich ja Muster und nicht nur gerade Linien gequiltet habe, war es praktisch, wenn ich dabei nicht den kompletten Quilt durch die Maschine drehen musste, sondern streckenweise einfach rückwärts nähen konnte. Keine Ahnung, wofür dieser Stich eigentlich gedacht ist, aber dafür ist er gut.

Am meisten danke ich aber Marja Katz für den Sew Along! Ohne diesen externen Antrieb hätte ich das Projekt nicht gestartet  und sicherlich nicht so diszipliniert durchgezogen. Dickes Dankeschön!

Zum Schluss möchte ich noch einen Überblick geben, wie lange ich für den Quilt gebraucht habe. Ella von ringelmiez.de hat kürzlich einen Blogbeitrag über die Preisgestaltung ihrer Quilts geschrieben (hier), und ich finde es interessant zu wissen, welche Arbeit in so einem Projekt drinsteckt:
  • für das Quilttop habe ich ca. 28 Stunden gebraucht - inklusive Zuschneiden. Es waren ca. 2 h pro Musterblock und dann nochmal 4 Stunden für den "Rahmen" und die Applikationen.
  • das Heften ging bei mir recht schnell, eine Stunde ungefähr (ist ja nur ein kleiner Quilt)
  • das Quilten hat ungefähr 10 Stunden gedauert
  • das Label hat ca. 1 Stunde gebraucht (weil noch nie gemacht/etwas experimentiert)
  • für das Binding habe ich dann nochmal 4 Stunden benötigt (da per Hand angenäht)
  • hinzu kommt die Zeit für das Aussuchen und Anordnen der Stoffe - dafür habe ich gefühlt recht lange gebraucht, kann aber keine Stundenzahl angeben, da sich das über einen längeren Zeitraum gestreckt hat
Macht in Summe 44 Stunden. Nicht wenig, aber es hat sich gelohnt. So schnell werde ich aber keinen Quilt mehr anfassen, ich brauche jetzt erst etwas leichter verdauliche Nähkost - ein paar Kinderklamotten stehen auf meiner Liste (da war doch noch etwas...), vor zehn Tagen habe ich mal spontan bei sewy.de reingeschaut und mir ein "Nähpaket" für den Schnitt Susi gekauft, was auch vernäht werden will, und für den Frühling fände ich einen Trenchcoat toll. An Ideen herrscht also kein Mangel.
Viele Grüße,
Frau Lotterfix



PS: Wenn mich wieder die Quilt-Lust packt, werde ich mich wahrscheinlich wieder an die Paper/Foundation Piecing-Technik halten. Ula Lenz hat zwei Bücher mit Tiermotiven (hier und hier), mit denen man einen schönen Kinderquilt gestalten könnte. Ein Dinosaurierquilt klingt doch nach einem lustigen Projekt, oder? Für meinen großen Sonnenschein zum 5. Geburtstag nächstes Jahr vielleicht - naja, vielleicht auch erst zum 6. Geburtstag...