Montag, 24. August 2015

Eine Stunde für Flüchtlinge

Die Artikel und Blogbeiträge, die ich in letzter Zeit zum Thema Flüchtlinge lese, machen mich fertig. Die Bilder bringen mich zum Heulen. Ich weiß nicht, wie ich mit all dem Leid umgehen soll. Ich schlafe schlecht ein und habe beschlossen, mich vorübergehend von Twitter fernzuhalten – ich ertrage den krassen Wechsel zwischen Leid und Belanglosigkeiten in meiner Timeline grad nicht. Ich habe das Gefühl, etwas tun zu müssen, und fühle mich gleichzeitig so unglaublich hilflos. Ich, ich, ich - Luxusprobleme angesichts der Situation der Flüchtlinge. Und das Wissen, dass mein Jammern ein verdammtes Luxusproblem ist, macht mich gleich doppelt wütend auf mich. Und die Welt. Und überhaupt.

Daneben steht das Gefühl, nach bezahlter Arbeit und Familienarbeit gerade überhaupt keine Zeit für mich zu haben. Objektiv ist das vielleicht nicht richtig, aber das Gefühl ist da. Kombiniert mit dem „ich muss doch aber etwas tun“-Gefühl stecke ich in einer Sackgasse, die mich lähmt und belastet.

Um aus dieser Starre rauszukommen, bin ich jetzt zu folgendem Schluss gekommen: wenn schon nicht Zeit, dann wenigstens Geld. Um für mich die Verknüpfung zu „aktiv etwas tun“ herzustellen und einen Geldbetrag zu finden (wieviel ist „genug“, „angemessen“, „richtig“?), mache ich das jetzt so: ich arbeite eine Stunde die Woche für Flüchtlinge. Ausgehend von einer 40 h-Arbeitswoche spende ich also 1/40 = 2.5 % meines (Netto)Gehaltes an Initiativen, die Flüchtlingen helfen. Eine Stunde ist nicht wirklich viel, aber ich will irgendwie einen Einstieg finden und einen Betrag, den ich auch langfristig halten kann. Sicherlich ist das nicht perfekt, aber etwas Besseres weiß ich auch grad nicht.

Und ihr, wie geht ihr damit um?

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Sonntag, 7. Juni 2015

Ein Anfang. // Spring Style Along - Finale

Die letzten Wochen habe ich mich mit Blogposts ja eher zurück gehalten. Kind1 macht es uns grad nicht einfach und ist abends nicht ins Bett zu bekommen - ich hoffe, dass auch das nur eine Phase ist. Aber zum Finale reihe ich mich wieder ein, denn ich war zwischenzeitlich durchaus fleißig und möchte gern meine UniForm-Erkenntnisse der letzten Wochen teilen.

Nähtechnisch habe ich nicht besonders viel vorzuweisen: eine Bluse und zwei ärmellose Shirts. Und die Bluse ist dabei nicht mal besonders toll geworden, der Ausschnitt hinterlässt mich immer noch unzufrieden. So lag mein Schwerpunkt beim Spring Style Along schlussendlich auf dem Styling, und da habe ich in den letzten Wochen viel gelernt. Doch genug der Worte, hier Fotos der Kombinationen von letzter Woche:

Montag / Dienstag / Mittwoch / Donnerstag / Freitag

Besonders abwechslungsreich ist das nicht, aber das sollte die UniForm ja auch nicht sein (hier sind meine Anfangsüberlegungen nachzulesen). Ich versuche, mit Accessoires etwas Abwechslung zu erreichen, wahrscheinlich ist das aber erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Dazu nochmal ein extra Danke an mamamachtsachen und marjakatz: speziell die Accessoire-Woche war eine bereichernde Idee, viele vernachlässigte Schmuckstücke kommen jetzt wieder regelmäßig zum Einsatz.

Am Anfang war ich unsicher, ob ich mich in soviel Einfalt wohlfühle (dummer Wortwitz als Gegenstück zu Vielfalt, get it?), aber es macht mir echt nichts aus. Nein, es geht mir sogar richtig gut damit. Auf Arbeit wird das hoffentlich als mein Stil und nicht als "die zieht ja jeden Tag das Gleiche an" gesehen. Heureka, ich habe einen eigenen Stil entwickelt! Und was habe ich sonst noch so aus den letzten Wochen mitgenommen?

  • Das Outfit ist toll für verschiedene Temperaturen und auch Schwankungen im Tagesverlauf - mit Blazer und Halstuch gibt es zwei Lagen, die eine gute Feinabstimmung auf die Bürotemperatur ermöglichen.
  • Wenn ich mich in etwas richtig reindenken muss, stört mich mitunter die Förmlichkeit des Blazers. Für die Detailarbeit am Schreibtisch ziehe ich ihn also gelegentlich aus.
  • Schuhe machen einen Unterschied - ich trete je nach Schuhwerk unterschiedlich auf, im doppelten Wortsinn. In "Klackerschuhen" (Zitat Kind1) fühle ich mich tougher, ohne Absatz gemütlicher.
  • Feinstrümpfe und Strumpfhosen sind irgendwie echt nicht gut konstruiert - falls jemand einen Trick gegen Laufmaschen hat, bin ich eine dankbare Abnehmerin. Mein aktueller Verbrauch ist alles andere als nachhaltig.
  • Die Jeans könnten tatsächlich auch etwas enger - allerdings sind sie so auch schön bequem.

Der Titel dieses Beitrags sagt es aber: ich bin erst am Anfang. Ich habe gesehen, dass dieses Outfit für mich funktioniert, jetzt muss ich das Konzept mit weiteren Kleidungsstücken vervollständigen, damit ich auch endlich diese schrecklichen blauen Blusen (im Foto Montag & Dienstag) aus der Wäscherotation nehmen kann. Die sind nämlich nur Notlösungen, um die Zeit bis zur nächsten Wäsche zu überbrücken.

Was ich noch benötige:
  • mehr Blusen/Tuniken. Den Grundschnitt habe ich ja jetzt, auch den bisher vernähten Stoff fand ich toll. So toll, dass ich mir gleich 6 m davon nachbestellt habe, um in die Serienproduktion zu gehen. Aber: Pustekuchen. Der Farbton der 6 m war deutlich gelblicher als der der ursprünglichen 2 m und jetzt bin ich sauer auf Stoff&Stil und überlege, ob ich jetzt die Blusen doch aus dem gelblichweißen Stoff nähe oder ihn umfärbe und anderweitig verwende (wäre perfekt für luftige Kindersommertuniken).
  • die schon im Anfangspost vorgesehen Jeans und Blazer
  • ich habe festgestellt, dass auch eine weiße oder dunkelblaue Strickjacke gut zu dem Outfit passen, ein bürotauglicher Cardigan wäre eine schöne Blazer-Alternative. Müsste ich aber wohl eher kaufen, Stricken liegt mir nicht und schönen Strickstoff habe ich bisher nicht gesehen.
  • eigentlich wäre auch ein dunkelblauer Rock recht passend... 

Ihr seht - langweilig wird mir wohl auch weiterhin nicht werden!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Mittwoch, 13. Mai 2015

MMM#2: Spontane Spring Style Along-Tragefotos

Wetter gut, Mann nicht mehr auf Dienstreise, ich selbst pünktlich von der Arbeit zurück - da konnte ich doch tatsächlich spontan ein paar Tragefotos meiner ArbeitsUniForm für den Me Made Mittwoch schießen lassen:


Blazer: gekauft (Esprit)
Jeans/Bluse/Halstuch: MeMade, siehe unten
Schuhe: Vans

Die Jeans ist nach meinem selbstkonstruierten Maßschnitt genäht, mehr dazu in diesem Blogpost. Ich mit Passform (bewusst nicht so eng) und dem Stoff sehr zufrieden und trage sie sehr häufig, allein die Beinlänge ist etwas kurz - das wird in der nächsten Version angepasst. Das Halstuch ist ein luftiger Viskosewebstoff mit Overlock-Rollsaum - eins von diesen Instant Gratification-Nähprojekten.

Die Bluse ist im Rahmen des Spring Style Alongs entstanden, eine Kopie des Dixie Top von Style Arc basierend auf selbstkonstruiertem Grundschnitt. Der Ausschnitt ist mir zu großzügig geraten (besonders in Bewegung liefert er unerwünschte Einblicke), deshalb trage ich ein weißes Top/Hemdchen drunter. Mit dem Verlauf der vorderen Teilungsnaht bin ich nicht zufrieden, diese läuft im Original deutlich harmonischer (wahrscheinlich ist das Original im Brustbereich weniger figurnah geschnitten). Die Rückenkonstruktion hingegen gefällt mir sehr gut. Sie ist schnell zu nähen, liefert aber trotzdem eine gute Passform und eine gefällige Optik - wird auf jeden Fall wieder genäht, aber das Vorderteil möchte ich noch verändern.

Die Falten habe ich extra mühsam im Büro eingesessen.

Und das war's auch schon für heute.

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Sonntag, 10. Mai 2015

Schneckentempo // Spring Style Along - Being on the needle (1)

Bei meinen Nähplänen habe ich die Dienstreisepläne meines Mannes nicht berücksicht, und eben diese machen mir gerade einen Strich durch die Rechnung. Abends allein mit zwei Kindern und Haushalt komme ich nämlich kaum voran. Ich bin letzte Woche ja nicht mal zum Bloggen gekommen - da Accessoires aber ein wichtiger Teil meiner ArbeitsUniForm sind, muss ich das noch nachreichen. Auch wenn die anderen SpringStylerinnen schon viel weiter sind.

Ich habe trage sehr gern Tücher (mir ist sehr leicht kalt & ich mag die extra Wärme am Hals) und besitze eigentlich auch diverse Schmuckstücke - allerdings habe ich die seit der Geburt von Kind1 kaum getragen. Der SSA war jetzt Anstoß, meine diversen Ketten und Ringe zu reinigen und zu sogenannten Beauty Bundles zusammenzufassen. Ein Konzept, das gut zu meiner analytisch-pragmatischen Denkweise passt.

Schön gebündelt: Blau / Braun / Rosa / Grün

Die Bündel sind ein schöner Anfang, aber es gibt definitiv noch Ausbaupotential. Zum einen habe ich ja seit diesem Artikel von Mamamachtsachen ganz viel Lust auf lackierte Zehennägel und zum anderen könnte ich mir auch mal eine farblich passende Handtasche leisten. Für die Arbeit brauche ich die zwar weniger, aber die Beauty Bundles funktionieren ja auch in der Freizeit.

Zum Nähen bin ich dafür kaum gekommen. Die Dixie-Kopie ist fertig, allerdings lässt der Ausschnitt meiner Version zu tief blicken - bisher habe ich sie daher nur mit Halstuch getragen und ich überlege, nachträglich noch etwas Spitze oder Chiffon hinter den Ausschnitt zu nähen. Eine andere Möglichkeit wäre, noch ein enges Jersey-Top zum Drunterziehen in den Nähplan aufzunehmen, das würde auch helfen. Tragefotos gibt's vielleicht beim nächsten Mal.

Statt dessen noch ein Link, der mich in dem Konzept der UniForm bestärkt: Kleidung beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung durch andere, sondern auch die eigenen Gedanken. Weiß man ja eigentlich, aber immer wieder interessant.

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Mittwoch, 29. April 2015

Plan & Wirklichkeit // Spring Style Along - On the Verge of Sewing

Letzte Woche habe ich große Pläne geschmiedet, diese Woche holt mich die Realität ein. Mann auf Dienstreise, Kinder abends nur mäßig schlafbereit, der neue Arbeitsalltag recht anspruchsvoll und abends dann noch der Haushalt… ihr kennt das. Ich versuche, mich nicht entmutigen zu lassen – auch mit 20 Minuten pro Abend kommt man voran, wenn man dran bleibt. Und so bin ich tatsächlich „on the verge of sewing“ – zugeschnitten habe ich, mehr aber auch nicht. Doch halt – eigentlich schon. Immerhin habe ich den Schnitt selbst konstruiert. Und weil es sonst nichts Neues gibt, zeige ich Euch ein paar Fotos vom Konstruktionsprozess.

Ausgangspunkt ist eine Idee. Ich bin kein Designer, nur Konstrukteur, als Inspiration dienen mir daher andere Schnitte (gesammelt auf Pinterest), und als erstes Projekt habe ich mir das Dixie Top von Style Arc ausgesucht. In den letzten Wochen meiner Elternzeit habe ich mir einen Grundschnitt erstellt, welcher mir jetzt als Ausgangspunkt dient. Zuerst verlege ich den Taillenabnäher der Grundschnittschablone per Drehmethode auf die Seite.

Auf dem Bild ganz rechts ist ein verlegter Abnäher, ich schwöre!

Die Drehmethode ist im Hofenbitzer recht gut beschrieben. Ich habe mir am Brustpunkt der Grundschnittschablone ein kleines Loch gestanzt, was ich beim Kopieren ausmale. So kann ich beim Drehen gut kontrollieren, dass die Schablone nicht verrutscht ist, da auch nach der Drehung das Loch immer noch vollständig ausgefüllt sein sollte.

Anschließend verlängere ich auf die gewünschte Länge, zeichne einen neuen Ausschnitt ein und teile die Vorderseite am Abnäher in zwei Teile, die in etwa dem Vorbildschnitt entsprechen. Die Linien folgen dabei keinen Regeln, sondern sind nach Gefühl gezeichnet.


 Am Rücken verlängere ich ebenfalls (sollte natürlich zum Vorderteil passen) und markiere den Verlauf der Querteilungsnaht, und zwar ausgehend von der Stelle an der Seitennaht, an der die Vorderseite geteilt wird. Anschließend streiche ich den Schulterabnäher (beim Nähen der Schulternaht muss die Mehrweite dann eingekräuselt werden) und den Taillenabnäher verteile ich in die Seiten- und Rückennaht (nicht perfekt, aber bei nur 1 cm Abnäherweite funktioniert das hoffentlich). Die Abnäher im unteren Teil möchte ich offen lassen, die Mehrweite wird dann an der Querteilungsnaht in Falten gelegt.


Nach dem Hinzufügen der Nahtzugabe, der Randverstärkung mit Malerkrepp und dem Ausschneiden sind die Schnittteile fertig.


Das Konstruieren macht echt viel Spaß, der kreative Prozess ist nochmal völlig anders als beim Nähen. Natürlich ist es auch extra Arbeit, und zwischendrin habe ich meinen Plan schon verflucht – mit einem Burda-Schnittmuster wäre ich sicher schneller gewesen. Allerdings sitzt mein Brustpunkt etwas tiefer als die Norm-Konstruktionsmaße, daher passen die Abnäher nicht – für eine gute Passform hätte ich die Abnäher verlegen müssen, und das wäre ja auch Arbeit gewesen. Leider habe ich diesmal  – im Gegensatz zu meiner ersten selbstkonstruierten Bluse – vorher keine Skizze gemacht, was sich während des Konstruierens prompt rächte – das mit der passenden Seitennaht ist mir beim ersten Rückenentwurf nämlich nicht aufgefallen. Ein Punkt, wo eine Abkürzung am Ende zu Mehrarbeit geführt hat. Aber war ja nur verschwendetes Papier, und beim nächsten Mal bin ich schlauer.

So… dann schaue ich mal noch, wie weit die anderen Spring Stylerinnen sind. Zum Nähen komme ich heute ja doch nicht mehr.

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Sonntag, 19. April 2015

Fehlt da nicht etwas Farbe? // Spring Style Along - Style Code, check!

Mein aktueller Kleiderschrank bietet für meine UniForm-Pläne folgende Teile:


Zwei Blazer, eine Bluse, drei Jeans. Rein formal gute Ausgangslage, allerdings passt nur eine der drei Jeans richtig gut (die neue), eine ist ok und eine definitiv zu eng. Die (Kauf)Blazer sind gut, die Bluse genau wie geplant - glücklicherweise, sie ist nämlich das Probestück für weitere Oberteile. Ich habe mir kürzlich einen Grundschnitt nach meinen Maßen konstruiert, mit diesem möchte ich jetzt verschiedene Blusenvarianten nähen, eine kleine Sammlung an Schnittinspirationen habe ich schon auf Pinterest zusammengetragen.

Ich möchte für meine UniForm gern sieben Oberteile, drei Blazer und drei gut sitzende Hosen. Mein Fokus liegt zuerst auf den Oberteilen/Blusen, die benötige ich am dringendsten. Danach eine Jeans und eine Leinenhose und wenn ich diese Basics habe, würde ich mich gern an einen Blazer wagen. Was davon im Rahmen des Style Alongs zu schaffen ist, werde ich sehen - aber es hindert mich ja niemand daran, anschließend noch weiterzunähen.

Nach dem letzten Beitrag merkte eine meiner liebsten Freundinnen an, ob meinen Plänen nicht etwas Farbvielfalt fehlen würde. Ich könnte den gleichen Stil mit verschiedenfarbigen Blazern durchziehen - Stichwort Pantone Merkel. Oder Jeans und Blazer mit verschiedenen Blusenfarben kombinieren - geht auch und ist einfacher zu nähen. Was allerdings nicht geht, ist beides zusammen - eine Falle, in die meiner Meinung nach zu häufig getappt wird. Ich nenne das jetzt mal die "Vielfalt-Falle" - man hat viele hübsche Teile, setzt bewusst auf Vielfalt, damit die Kleidung nicht langweilig wird. Aber wenn man das sowohl bei Ober- als auch Unterteilen macht, hat man am Ende nichts zu kombinieren und trotz gut gefülltem Kleiderschrank nichts zum Anziehen. Ich illustriere das mal mit einem kleinen Foto aus meinem Kleiderschrank:


Die rechtsseitige Kombination geht noch - die weiße Bluse, blaue Jeans, grauer Blazer und buntes Tuch. Links hingegen geht gar nicht - eine blau-weiß gestreifte Bluse, und diese passt weder zum grauen Blazer noch zum bunten Tuch. Zum blauen Blazer hätte sie ja noch gepasst, aber ist dieser in der Wäsche, ist das Outfit untragbar. Vielfalt-Falle.

Ich werde den Grundstil der Uniform so lassen und statt dessen lieber mit Accessoires für etwas Abwechslung sorgen. Ein sehr hübsches Beispiel dafür ist diese Zusammenstellung bei Polyvore. Der Trick für Styling-Anfänger wie mich scheint nämlich folgender: bei einer guten Basis immer das gleiche Element variieren. Da ich eine Frostbeule bin, werde ich das mit Halstüchern machen. Hier jetzt also die Farbe:


Extra für Dich, M.!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Mittwoch, 15. April 2015

ArbeitsUniForm // Spring Style Along - Get a Style Code

Am Montag bin ich nach 14-monatiger Elternzeit wieder ins bezahlte Arbeitsleben zurückgekehrt und schon seit Wochen überlege ich, wie meine Arbeitsgarderobe eigentlich aussehen soll. Theoretisch hatte ich in den letzten Wochen viel Zeit, praktisch habe ich dann doch nur eine Jeans und eine Tunika für mich genäht - sowohl in meinem Kopf- als auch in meinem tatsächlichem Kleiderschrank ist also noch Platz. Als ich dann über den Spring Style Along von MamaMachtSachen und Marja Katz las, merkte ich: das ist der perfekte Tritt in den Hintern, um trotz neuem Job doch noch etwas für meinen Kleiderschrank zu tun. Und daher mache ich jetzt auch mit.

Bevor ich zu meinem "Style Code" komme, erst etwas zum "Dress Code" bei meiner Arbeit. Ich arbeite als Verfahrenstechnik-Ingenieurin in der chemischen Industrie. Direkt in den Produktionsanlagen wird Arbeitsschutzkleidung getragen, ich arbeite aber überwiegend am Schreibtisch, da kann man bei uns prinzipiell alles anziehen. Literally. Ich sah schon einen Kollegen mit Radlerhosen und eine Kollegin mit Spaghettiträger-Top zu Besprechungen auftauchen.

Exkurs: Das geht ja gar nicht! - Warum eigentlich nicht? "Kleider machen Leute" funktioniert in beide Richtungen, Kleidung beeinflusst immens unsere Wahrnehmung von anderen Menschen. Falls ihr eure Gedanken dazu noch etwas mehr anstoßen lassen wollt, hier zwei Links: der zur Fotoausstellung "Kleider machen Leute"  von Herlinde Koelbl (aktuell zu sehen in Bad Mergentheim, da finde ich die Beschreibung aber nicht so schön), und der zum TEDx-Beitrag "Beat Your Bias" von Yassmin Abdel-Magied.

Die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen kommen in Alltagskleidung zur Arbeit. Jeans, Shirt, Pullover - bei den Männern auch mal ein Hemd, unterhalb der Geschäftsführung aber selten ein Jacket oder eine Krawatte und schon gar nicht gleichzeitig Jacket und Krawatte (spezielle offizielle Anlässe mal ausgenommen). Im Prinzip also die perfekte Spielwiese für die modisch interessierte Angestellte.

Bei dieser Berufskleidung kann man sogar den Friseur sparen.

Allein - ich bin nicht unbedingt das, was man als modisch interessiert bezeichnet. Und schon gar nicht bin ich modisch versiert. Am liebsten wäre es mir, wenn meine Position das permanente Tragen von Arbeitsschutzkleidung erfordern würde oder wenn ich - ähnlich wie Schornsteinfegerinnen oder Ärztinnen - eine Art Uniform tragen müsste. In beiden Fällen bräuchte ich mir nicht viel Gedanken um mein Erscheinungsbild machen, sondern könnte jeden Morgen auch ohne Brille gedankenlos in den Kleiderschrank greifen. Ist aber nicht so. Aber ich habe jetzt beschlossen: muss ja auch nicht, ich lege mir einfach meine eigene Uniform fest.

Obwohl er für individuelle Kleidung einer Einzelperson eigentlich nicht anwendbar ist, benutze ich den Begriff Uniform, denn er drückt ein bestimmtes Gefühl aus. Meine Arbeitskleidung dient nicht nur zur Bedeckung meines Körpers, sie trennt für mich auch die private Frau Lotterfix von der angestellten Frau Lotterfix. Ich mag beruflich durchaus etwas Distanz und Förmlichkeit. Und vielleicht spiele ich auch mit den Kontrasten: hinter meiner konservativen Kleidung steckt ein eher progressiver Charakter (behaupte ich jetzt mal). Schlußendlich mag ich auch den Begriff: uni-form. Ich brauche nicht viel Abwechslung, mag Routinen und streng geometrische Formen, uni-form ist also genau richtig für mich.

Ob ich mich mit diesem Bild wohl noch für den FUSSA qualifiziere?

All das steckt für mich in dem Begriff „ArbeitsUniForm“. Natürlich will ich mir keinen Blaumann nähen und ich plane auch keine Jacke mit Rangabzeichen. Ich habe lange überlegt, was für mich Förmlichkeit und Bequemlichkeit verbindet, und bin letztendlich bei folgender Kombination gelandet (siehe auch mein Pinterest-Board):

http://www.extrapetite.com/2014/09/back-to-basics.html
Und diese Kombination brauche ich nun so oft, dass ich damit etwas mehr als eine Arbeitswoche überstehen kann. Also mehrere Jeans, blaue Blazer, Tuniken/Blusen. Tauglich für Frühling/Sommer, natürlich. Also vielleicht statt Jeans doch auch noch Leinenhosen und – das wäre toll – einen Leinenblazer. Als Sahnehäubchen ein paar Accessoires, die dann doch ein klitzekleines bisschen Abwechslung reinbringen. Genau das ist mein Style Code – was denkt ihr, klingt das nach einem Plan?

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Dienstag, 24. März 2015

Craftsy Designer Jeans. Selbstkonstruierte Jeans, Teil 3

Sie ist fertig. Vor einem Beitrag zur Passform muss ich erst noch "Einsatzerfahrung" sammeln, aber vielleicht sind eine Rezension des Craftsy-Kurses "Sewing Designer Jeans" und ein paar Links zum Thema Jeans zwischenzeitlich auch interessant.

Doch erstmal Tragefotos nach zwei Tagen (also schon etwas eingesessen):

Normalerweise trage ich Shirts über dem Bund, aber für Blogfotos gibt's eine Ausnahme.

Der Schnitt ist selbstkonstruiert (hier nachzulesen), Stoff ist Stretchdenim 7 oz von Stoff&Stil (Achtung, der ist nur 130 cm breit!) und über das Jeansgarn habe ich an dieser Stelle schon berichtet.

Genäht habe ich die Jeans mit Hilfe des Craftsy-Kurses "Sewing Designer Jeans" mit Angela Wolf. Ich bin ein Fan von Craftsy und habe schon diverse Kurse gekauft, und trotzdem habe ich eine Weile gezögert: brauche ich diesen Kurs wirklich? Was kann er mir schon zeigen, ich hab' doch schon Hosen genäht (naja, 3 Stück, Kinderhosen nicht mitgerechnet)? Die Inhaltsangabe des Kurses war jetzt auch nicht so spannend: Passform, Gesäßtaschen, Hinterhosen, Hüfttaschen, ... was man halt so zusammennäht, um am Ende eine Jeans zu haben. Aber irgendwann war mal wieder ein Sale und ich wurde schwach und habe zugeschlagen. Und als ich endlich die Zeit zum Nähen fand, habe ich mir den Kurs vorgenommen und "durchgearbeitet".

Ich wurde angenehm überrascht. Kam mir die Inhaltsangabe ursprünglich langweilig vor, war sie in der Praxis einfach unglaublich bequem. Ich wurde an der Hand genommen und konnte Schritt für Schritt meine Jeans nähen, ohne mir groß Gedanken machen zu müssen - die Kursleiterin sagte mir einfach, was ich zu tun hatte. Ein Beispiel: Ich hatte zwar schon Hosenreißverschlüsse genäht und hätte es auch ohne Kurs hinbekommen, aber es war einfach so unglaublich einfach mit dem Kurs: Video anschauen, anhalten, den Schritt nacharbeiten, Video weiterschauen, nacharbeiten, ... perfekter Reißverschluss. Für den richtigen Lerneffekt hätte ich vielleicht ohne direkte Videohilfe und mit eigenen Notizen arbeiten sollen, aber so konnte ich meine erste Jeans komplett ohne Gehirnknoten nähen. Und ich kann den Kurs ja jederzeit erneut ansehen und mir doch noch Notizen machen. Ich schaue übrigens auf dem iPad, den ich neben der Nähmaschine liegen habe - würde ich auf dem Rechner schauen, wäre es vielleicht weniger komfortabel.

Die Sprechgeschwindigkeit der Kursleiterin ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig - sie klingt, als hätte man den Kurs permanent auf doppelter Geschwindigkeit laufen - aber nach einer Weile hört man sich rein. Und ihr Modestil ist auch nicht meiner, aber mit Jeans kennt sie sich definitiv aus. Zum Kursinhalt: Das Nähen einer Kappnaht wird eher kurz erklärt, die Kursleiterin benutzt überwiegend normale Nähte, die nur wie Kappnähte abgesteppt werden - das ist zwar nicht "Original", aber mittlerweile auch in Kaufjeans sehr verbreitet. Generell wird wenig auf Grundlagen eingegangen (etwas Erfahrung sollte man also schon besitzen), aber viele Tipps speziell für das Nähen von Jeans gegeben: welche Materialien, Stichlängen, Techniken für den Umgang mit dem dicken Stoff und für "Distressing" (künstliche Alterung/Abnutzung der Jeans) - wahrscheinlich könnte man sich alle Informationen auch kostenlos über YouTube und diverse Webseiten zusammensuchen, doch - jetzt benutze ich das Wort zum zweiten Mal - so gesammelt in einem Kurs ist es einfach bequem.

Generell muss ich aber sagen, dass ich das Jeans-Nähen unterschätzt habe. Inklusive Zuschnitt habe ich 11 Stunden für diese Jeans benötigt, und dabei habe ich nicht einmal Fronttaschen gemacht (reine Arbeitszeit ohne Pausen/Unterbrechungen, habe allerdings nicht am Stück genäht). Durch Distressing und die Stepparbeiten ist eine Jeans wirklich aufwändiger als eine "normale" Hose. Und ein paar Fehler sind mir trotz des Kurses auch passiert:

Fehlersuchbild: Schrittnaht, Innenbeinnaht, Hosensaum

  • die Hinterhose habe ich leider in die falsche Richtung gebügelt/gesteppt und daher ein lustiges Muster im Schritt - wird aber wohl selten auffallen und immerhin hatte ich so an der Nahtkreuzung nicht mit 6 Lagen Stoff zu kämpfen.
  • beim Absteppen des Innenbeins hatte ich unbemerkte Schwierigkeiten beim Stofftransport, meine Steppnaht lässt daher an einigen Stellen sehr zu wünschen übrig
  • bei der finalen Anprobe musste ich feststellen, dass ich bei der Saumzugabe am Hosenbein wohl etwas knauserig war - letztendlich habe ich die Jeans mit Beleg gesäumt, damit sie nicht zu kurz wird (geht aber!)
Und dennoch - es hat wirklich Spaß gemacht, diese Jeans zu Nähen. Ich habe richtig Gefallen daran gefunden, und da mir die Passform bisher auch zusagt, freue ich mich auf das Zuschneiden der nächsten Jeans (insgesamt möchte ich drei, demnächst endet meine Elternzeit und ich brauche dringend unverschlissene Hosen - ja, so schlimm sieht's in meinem Kleiderschrank aus). Sicherheitshalber werde ich Nr. 1 aber erst probetragen, und danach wird es hier im Blog auch den abschließenden Passform-Beitrag geben.

Bis dahin aber noch ein paar interessante Jeans-Links:

  • der Craftsy-Kurs nennt sich ja "Sewing Designer Jeans". Ich habe mich schon etwas gewundert, was das mit dem "Designer" soll, und es einfach für eine Marketing-Bezeichnung gehalten, bis ich den Artikel "The Secret Language of Jeans" las.
  • der eben genannte Artikel erwähnt verschiedene Gesäßtaschendesigns. Einige davon wurden im "Jean Pocket Project" gesammelt, und auch wenn die Seite mittlerweile verwaist scheint, liefert sie noch gute Anregungen für die Rückseitengestaltung.
  • natürlich gibt es im Internet auch Seiten, die sich ausschließlich mit dem Thema Jeans (tragen nicht nähen) beschäftigen: diese und diese zum Beispiel. In Teilen durchaus inspirierend.
  • wenn man mal wissen will, mit welchen Schritten eine Jeans industriell hergestellt wird: auf der Seite von Joker Jeans gibt's ein paar hübsche (Werbe-)Kurzfilmchen dazu
  • und wer sich kritisch mit dem Thema "Jeans-Massenproduktion" auseinandersetzen möchte, kann sich mal die ARD-Doku "Der Preis der Blue-Jeans" ansehen. Ich finde sie allerdings schwer erträglich - weniger wegen des Inhalts (der ist ja leider bekannt und auch einer der Gründe, weshalb ich selbst nähe), sondern vielmehr, weil ich Kommentare, Ton und auch die Hintergrundmusik sehr tendenziös finde - man hätte das auch weniger reißerisch gestalten können. Besser, wenn auch weniger ausführlich, ist der Beitrag "Die dunkle Seite der Jeans" von Quarks & Co.

Und, habt ihr jetzt auch Lust auf's Jeansnähen bekommen?

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Edit: Ich verlinke diesen Post jetzt auch noch beim Finale der Herzen vom #HosenHerbst, dem etwas anderen Sew-Along bei Meike von "Crafteln". Eine schöne Aktion, an der ich mich aber wegen anderer Verpflichtungen bisher nicht beteiligen konnte. Die Posts dazu sind auf jeden Fall lesenswert.

verlinkt beim creadienstag

Freitag, 20. März 2015

Extravagarnza - Steppnähte auf Jeans. Selbst konstruierte Jeans, Teil 2

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich eine Schwäche für Nähgarn habe. Beim Stoff mag ich es eher simpel und unifarben, aber bei Garnen bin ich definitiv offen für Experimente. Und mein Plan des Jeans-Nähens gab mir einen guten Grund, endlich mal verschiedene Garnstärken zu testen.

Üblicherweise verwende ich Nähgarn von Alterfil. Das hat zwei Gründe: zum einen werden die Garne in meiner Heimatstadt produziert, zum anderen sind die Garne auch wirklich gut (nein, das ist kein bezahlter Werbebeitrag). Ich hatte mir schon vor einer Weile eine Farbkarte von Alterfil geholt, da für Jeans neben der Farbe aber auch die Garnstärke passen muss, habe ich mir kurzerhand einmal 6 der 7 produzierten Garnstärken von Alterfil S ("AS") bestellt und herumprobiert.

Als ich das Päckchen mit den Garnen bekam, fand ich schon die verschiedenen Garnrollen faszinierend. Die Garne der Stärken 120/100/80 sehen auf den ersten Blick gar nicht so unterschiedlich aus, wenn man die Rollen nebeneinander stellt, kann man anhand des Durchmessers der Garnwickel aber gut die Stärkenunterschiede erkennen:

Garnstärken v.l.n.r.: 120 / 100 / 80; jeweils 1000 m

Es gilt: je höher die Nummer, desto feiner das Garn. Üblicherweise nähe ich mit Alterfil S120, der weit verbreitete Gütermann-Allesnäher ist vergleichbar mit der Garnstärke von Alterfil S100 (meine subjektive Meinung beim Nebeneinanderlegen der Fäden; obwohl der Allesnäher bezogen auf das Garngewicht zwischen AS120 und AS100 liegt, wirkt Gütermann minimal dicker als AS100 - vielleicht aufgrund unterschiedlicher Verzwirntechnik? Noch mehr verwirrendes zu Garnstärken gibt's übrigens auf dieser Seite von Coats).

Aber ich suche ja Garn zum Jeans absteppen, da muss das Garn schon dicker sein (für die Nähte nehme ich AS120, da bin ich nicht so wählerisch). Hier zum Vergleich also ein Garnwickel mit AS25 Garnstärke. Beide Garnrollen haben praktisch den gleichen Durchmesser, aber auf der linken Garnrolle sind 700 m weniger Garn als auf der rechten:

Links 300 m AS 25, rechts 1000 m AS 120

Soviel zur Einführung. Getestet habe ich dann: Gütermann Allesnäher mit Dreifachstich (im Foto braun), AS 120 mit Dreifachstich (pink), AS 80 mit Dreifachstich (orange), AS35 (ganz rechts) und AS25 (2. von rechts). Der Dreifachstich wird gelegentlich als Alternative vorgeschlagen, wenn man zum Absteppen kein besonderes Garn verwenden möchte - mich hat er allerdings nur begrenzt überzeugt (die Variante mit AS120 geht noch, die Variante mit AS80 und Gütermann Allesnäher finde ich schon zu dick).

Links die Originalsaumnaht der Kaufjeans, daneben Nähte in verschiedenen Garnstärken zum Vergleich.

Ich habe die verschiedenen Nähte einfach mit der Kaufjeans-Saumnaht (im Bild ganz links) verglichen und mein Favorit war letztendlich AS35. AS25 sieht als "Einzelstich" auch gut aus, aber zu Nahtbeginn und -ende näht man ja gern mal vor und zurück, und da wurde mir die Naht mit AS25 zu dick. Die Stärke von AS35 ist in etwa vergleichbar mit dem Zierstichfaden von Gütermann.

Dann habe ich mir die Farbkarte geschnappt und nach Vergleich mit der eben schon erwähnten Kaufjeans die Garnfarben 06552 und 06543 gewählt. Also, ganz ehrlich: die Farben sind nicht hübsch. Klamotten in diesem Farbton würde ich nie tragen. Aber auf Jeans - perfekt!

Gewähltes Garn an der finalen Jeans

Ich habe den Großteil der Absteppungen mit dem Farbton 06543 gemacht, an den Gesäßtaschen und bei der Innenbeinnaht aber mit zwei Farben gearbeitet. Das habe ich mir auch von der Kaufjeans abgeschaut und es ist ein wirklich hübsches Detail, was die Jeans insgesamt noch etwas "professioneller" erscheinen lässt.

Soviel erstmal dazu. Jetzt geh' ich meine Jeans säumen, und morgen gibt's dann hoffentlich Tragefotos und den restlichen Bericht zu meinem ersten Jeansversuch.

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix


Dienstag, 17. März 2015

Hosen - ich jetzt auch. Selbstkonstruierte Jeans, Teil 1

Nachdem ich dieses Jahr bisher nur für die Kinder genäht habe, muss ich endlich an meiner eigenen Garderobe arbeiten. Mir fehlen vor allem Hosen, die ich überdies gern selbst konstruieren möchte, und über meinen Fortschritt dabei berichte ich jetzt hier.

Der erste wichtige Schritt: ich habe mir eingestanden, dass ich aktuell zu faul bin/zu gerne Schokolade esse, um etwas an dem im letzten Jahr gewachsenen Bauchumfang zu ändern. Sich möglicherweise ändernde Körpermaße sind also kein Aufschiebegrund mehr und so habe ich mich vor zwei Wochen endlich an die Schnittkonstruktion gewagt.

Die Hose ist mein erster Konstruktionsversuch, da ich aber schon länger mit Schnittkonstruktion liebäugele, hatte ich schon diverse Werkzeuge/Materialien beschafft:

  • Schneiderlineal von Prym
  • 1m Metalllineal aus dem Baumarkt
  • Winkelmesser
  • Kopierrädchen und Blaupapier
  • Radiergummi und Bleistift
  • Fineliner
  • Papier

Etwas unsicher war ich ja, welches Papier ich für die Schnittkonstruktion benutzen sollte. Aber glücklicherweise habe ich ja Twitter für mich entdeckt:
Eigentlich dachte ich ja, das möglichst festes Papier für die Schnittkonstruktion sinnvoll wäre. Immi Meyer wies dann darauf hin, das leicht durchscheinendes Papier wegen des Kopiervorgangs vorteilhafter wäre (stimmt) und Drehumdiebolzeningenieur bemerkte, dass man den fertigen (Grund)Schnitt dann ja auch auf dickeres Papier übertragen könnte (hatte ich gar nicht dran gedacht). Außerdem schenkte sie mir auch ein paar Meter ihres Konstruktionspapiers (vom Roten Faden), dass ich dann aber erst beim zweiten Konstruktionsschritt verwendet habe, weil ich Angst hatte, das "gute" Papier bei meinem ersten Versuch zu ruinieren *hust*. Für die Grundkonstruktion verwendete ich also das von Frau Crafteln und Froken Nordlys empfohlene Schnittmusterpapier von Stoff&Stil.

Ich habe meine Hosenkonstruktion nach der Anleitung im Buch "Schnittkonstruktion für Damenmode" von Guido Hofenbitzer gearbeitet und fand diese sehr verständlich. Allerdings muss ich sagen, dass ich auch den Craftsy-Kurs "Patternmaking Basics: Skirt Sloper" belegt habe und ich möchte nicht ausschließen, dass mir dies deutlich geholfen hat - die Konstruktion ist zwar völlig anders (es wird ein Rock konstruiert), aber im Kurs wird gut die prinzipielle Vorgehensweise erläutert und man bekommt beim Schauen ein Gefühl dafür, wie der Konstruktionsprozess eigentlich abläuft.

Nachdem ich mit der Konstruktion nach Lehrbuch fertig war, habe ich den Schnitt einfach direkt mit Blaupapier und Kopierrädchen auf den Stoff für mein erstes Probemodell übertragen. Dies war eine spontane Idee, um etwas Zeit zu sparen und möglichst schnell den Schnitt testen zu können, aber im Nachhinein war es wirklich praktisch. Zum einen konnte ich anhand der Nahtlinien kontrollieren, dass ich wirklich exakt genäht habe, und zum anderen erleichterte es die spätere Rückübertragung der weiteren Anpassungen.

Mein erstes Probemodell sah so aus:

Ich war mal ein Bettlaken.

Ich war angenehm überrascht. Man kann sehen, dass es an einigen Stellen noch etwas spannt, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass der erste Versuch schon so gut ausfällt. Für dieses erste Modell habe ich mit Konstruktion & Nähen übrigens knapp unter 5 Stunden gebraucht - Mittagessen ist an dem Tag einfach mal ausgefallen.

Danach wurde es etwas schwieriger. Finetuning war angesagt, und ich habe mit Hilfe des Buches "Pants for Real People" letztendlich folgende Änderungen gemacht:
  • vordere Abnäher offen gelassen, dafür obere Seitennaht etwas enger gemacht
  • etwas Mehrweite auf Hüfthöhe
  • etwas Mehrweite bei vorderer Innenbeinnaht
  • vordere Schrittkurve geringfügig angepasst
  • Knieweite reduziert
(zu den hier erwähnten Büchern verweise ich hiermit auch gern nochmal auf meinen Nähbücher-Post von Weihnachten)

Diese Auflistung ist das Ergebnis eines längeren Iterationsprozesses: vorm Spiegel stehen, auf dem Stoff die Stellen für Änderung markieren, alte Naht auftrennen, neuen Nahtverlauf nähen - und wieder vorm Spiegel stehen. Das Schwierigste ist wahrscheinlich, zu wissen, wann gut ist - bei mir war jedenfalls irgendwann der Punkt erreicht, bei dem "bin zufrieden" und "habe keine Lust mehr" aufeinander trafen. Danach habe ich alle Änderungen auf den ursprünglich konstruierten Schnitt übertragen und das Resultat für die weitere Konstruktion auf das etwas robustere Papier vom Roten Faden kopiert (wieder per Blaupapier & Kopierrädchen).

Da ich mir ja Jeans nähen möchte, habe ich mit diesem Schnitt nun eine rückwärtige Passe und einen Formbund konstruiert (alles wie im Buch beschrieben). Und danach ein zweites Probemodell genäht. Den Reißverschluss beim Probemodell habe ich einfach mittig eingenäht und am oberen Rand vom Bund habe ich vorm Annähen an den Rest der Hose noch Baumwollband aufgenäht - der Formbund ist zu großen Teilen im schrägen Fadenlauf geschnitten und würde sich sonst hemmungslos dehnen.

Was aus IKEA-Vorhängen noch alles werden kann...

Im ersten Moment dachte ich: Yeah! Super! Dann schaute ich mir die Fotos genauer an und dachte: Was hängt da eigentlich an meinem Hintern? Sowas kannst Du ja unmöglich auf Dein Blog stellen und von perfekter Passform sprechen...

Also habe ich noch etwas herumprobiert (= Stoff abgesteckt) und herausgefunden, dass ich zur Bekämpfung der rückwärtigen Hängepartie eine Art "horizontalen Abnäher" in der Hinterhose benötige. Muss man sich so vorstellen:


In der Hosenmitt habe ich ganze 3 cm Länge entfernt. Und mit diesem Abnäher sah das Ergebnis dann für meine Ansprüche wirklich nahezu perfekt aus. Hier ein Vorher-Nachher-Foto:

Die beiden äußeren Bilder sind ohne, die beiden inneren Bilder mit "Horizontal-Abnäher".

Der schräge Verlauf der Seitennaht ist zwar nicht optimal, aber das lasse ich jetzt erstmal so. NAch diesem Schnitt (+ Taschen) nähe ich mir jetzt mein erstes Paar Jeans *bibber*. Ja, ich werde diesen Oma-mäßigen hohen Bund nähen - ich trage meine Oberteile sowieso meist über dem Hosenbund und finde den hohen Bund deutlich bequemer, zumal ich es am unteren Rücken gern warm habe. Etwas Sorge habe ich wegen des Stoffes - schon bei den Probemodellen habe ich festgestellt, dass sich die verschiedenen Stoffe sehr unterschiedlich verhalten, und ich bin mal gespannt, wie sich jetzt der Jeansstoff mit diesem Schnitt macht. Versuch macht klug. Zum Dauerverhalten von verschiedenen Stoffen schrieb Mema am Wochenende übrigens einen sehr lesenswerten Beitrag.
Ich werde weiter berichten. Und falls ihr Anmerkungen oder Fragen habt: nur her damit!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

verlinkt beim creadienstag