Dienstag, 17. März 2015

Hosen - ich jetzt auch. Selbstkonstruierte Jeans, Teil 1

Nachdem ich dieses Jahr bisher nur für die Kinder genäht habe, muss ich endlich an meiner eigenen Garderobe arbeiten. Mir fehlen vor allem Hosen, die ich überdies gern selbst konstruieren möchte, und über meinen Fortschritt dabei berichte ich jetzt hier.

Der erste wichtige Schritt: ich habe mir eingestanden, dass ich aktuell zu faul bin/zu gerne Schokolade esse, um etwas an dem im letzten Jahr gewachsenen Bauchumfang zu ändern. Sich möglicherweise ändernde Körpermaße sind also kein Aufschiebegrund mehr und so habe ich mich vor zwei Wochen endlich an die Schnittkonstruktion gewagt.

Die Hose ist mein erster Konstruktionsversuch, da ich aber schon länger mit Schnittkonstruktion liebäugele, hatte ich schon diverse Werkzeuge/Materialien beschafft:

  • Schneiderlineal von Prym
  • 1m Metalllineal aus dem Baumarkt
  • Winkelmesser
  • Kopierrädchen und Blaupapier
  • Radiergummi und Bleistift
  • Fineliner
  • Papier

Etwas unsicher war ich ja, welches Papier ich für die Schnittkonstruktion benutzen sollte. Aber glücklicherweise habe ich ja Twitter für mich entdeckt:
Eigentlich dachte ich ja, das möglichst festes Papier für die Schnittkonstruktion sinnvoll wäre. Immi Meyer wies dann darauf hin, das leicht durchscheinendes Papier wegen des Kopiervorgangs vorteilhafter wäre (stimmt) und Drehumdiebolzeningenieur bemerkte, dass man den fertigen (Grund)Schnitt dann ja auch auf dickeres Papier übertragen könnte (hatte ich gar nicht dran gedacht). Außerdem schenkte sie mir auch ein paar Meter ihres Konstruktionspapiers (vom Roten Faden), dass ich dann aber erst beim zweiten Konstruktionsschritt verwendet habe, weil ich Angst hatte, das "gute" Papier bei meinem ersten Versuch zu ruinieren *hust*. Für die Grundkonstruktion verwendete ich also das von Frau Crafteln und Froken Nordlys empfohlene Schnittmusterpapier von Stoff&Stil.

Ich habe meine Hosenkonstruktion nach der Anleitung im Buch "Schnittkonstruktion für Damenmode" von Guido Hofenbitzer gearbeitet und fand diese sehr verständlich. Allerdings muss ich sagen, dass ich auch den Craftsy-Kurs "Patternmaking Basics: Skirt Sloper" belegt habe und ich möchte nicht ausschließen, dass mir dies deutlich geholfen hat - die Konstruktion ist zwar völlig anders (es wird ein Rock konstruiert), aber im Kurs wird gut die prinzipielle Vorgehensweise erläutert und man bekommt beim Schauen ein Gefühl dafür, wie der Konstruktionsprozess eigentlich abläuft.

Nachdem ich mit der Konstruktion nach Lehrbuch fertig war, habe ich den Schnitt einfach direkt mit Blaupapier und Kopierrädchen auf den Stoff für mein erstes Probemodell übertragen. Dies war eine spontane Idee, um etwas Zeit zu sparen und möglichst schnell den Schnitt testen zu können, aber im Nachhinein war es wirklich praktisch. Zum einen konnte ich anhand der Nahtlinien kontrollieren, dass ich wirklich exakt genäht habe, und zum anderen erleichterte es die spätere Rückübertragung der weiteren Anpassungen.

Mein erstes Probemodell sah so aus:

Ich war mal ein Bettlaken.

Ich war angenehm überrascht. Man kann sehen, dass es an einigen Stellen noch etwas spannt, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass der erste Versuch schon so gut ausfällt. Für dieses erste Modell habe ich mit Konstruktion & Nähen übrigens knapp unter 5 Stunden gebraucht - Mittagessen ist an dem Tag einfach mal ausgefallen.

Danach wurde es etwas schwieriger. Finetuning war angesagt, und ich habe mit Hilfe des Buches "Pants for Real People" letztendlich folgende Änderungen gemacht:
  • vordere Abnäher offen gelassen, dafür obere Seitennaht etwas enger gemacht
  • etwas Mehrweite auf Hüfthöhe
  • etwas Mehrweite bei vorderer Innenbeinnaht
  • vordere Schrittkurve geringfügig angepasst
  • Knieweite reduziert
(zu den hier erwähnten Büchern verweise ich hiermit auch gern nochmal auf meinen Nähbücher-Post von Weihnachten)

Diese Auflistung ist das Ergebnis eines längeren Iterationsprozesses: vorm Spiegel stehen, auf dem Stoff die Stellen für Änderung markieren, alte Naht auftrennen, neuen Nahtverlauf nähen - und wieder vorm Spiegel stehen. Das Schwierigste ist wahrscheinlich, zu wissen, wann gut ist - bei mir war jedenfalls irgendwann der Punkt erreicht, bei dem "bin zufrieden" und "habe keine Lust mehr" aufeinander trafen. Danach habe ich alle Änderungen auf den ursprünglich konstruierten Schnitt übertragen und das Resultat für die weitere Konstruktion auf das etwas robustere Papier vom Roten Faden kopiert (wieder per Blaupapier & Kopierrädchen).

Da ich mir ja Jeans nähen möchte, habe ich mit diesem Schnitt nun eine rückwärtige Passe und einen Formbund konstruiert (alles wie im Buch beschrieben). Und danach ein zweites Probemodell genäht. Den Reißverschluss beim Probemodell habe ich einfach mittig eingenäht und am oberen Rand vom Bund habe ich vorm Annähen an den Rest der Hose noch Baumwollband aufgenäht - der Formbund ist zu großen Teilen im schrägen Fadenlauf geschnitten und würde sich sonst hemmungslos dehnen.

Was aus IKEA-Vorhängen noch alles werden kann...

Im ersten Moment dachte ich: Yeah! Super! Dann schaute ich mir die Fotos genauer an und dachte: Was hängt da eigentlich an meinem Hintern? Sowas kannst Du ja unmöglich auf Dein Blog stellen und von perfekter Passform sprechen...

Also habe ich noch etwas herumprobiert (= Stoff abgesteckt) und herausgefunden, dass ich zur Bekämpfung der rückwärtigen Hängepartie eine Art "horizontalen Abnäher" in der Hinterhose benötige. Muss man sich so vorstellen:


In der Hosenmitt habe ich ganze 3 cm Länge entfernt. Und mit diesem Abnäher sah das Ergebnis dann für meine Ansprüche wirklich nahezu perfekt aus. Hier ein Vorher-Nachher-Foto:

Die beiden äußeren Bilder sind ohne, die beiden inneren Bilder mit "Horizontal-Abnäher".

Der schräge Verlauf der Seitennaht ist zwar nicht optimal, aber das lasse ich jetzt erstmal so. NAch diesem Schnitt (+ Taschen) nähe ich mir jetzt mein erstes Paar Jeans *bibber*. Ja, ich werde diesen Oma-mäßigen hohen Bund nähen - ich trage meine Oberteile sowieso meist über dem Hosenbund und finde den hohen Bund deutlich bequemer, zumal ich es am unteren Rücken gern warm habe. Etwas Sorge habe ich wegen des Stoffes - schon bei den Probemodellen habe ich festgestellt, dass sich die verschiedenen Stoffe sehr unterschiedlich verhalten, und ich bin mal gespannt, wie sich jetzt der Jeansstoff mit diesem Schnitt macht. Versuch macht klug. Zum Dauerverhalten von verschiedenen Stoffen schrieb Mema am Wochenende übrigens einen sehr lesenswerten Beitrag.
Ich werde weiter berichten. Und falls ihr Anmerkungen oder Fragen habt: nur her damit!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

verlinkt beim creadienstag

Dienstag, 17. Februar 2015

Regenbogenkleid & neue Füßchen

Kind1 wollte sich zu Karneval gern als "Regenbogenprinzessin" verkleiden. Ich hatte nicht richtig zugehört und nur "Prinzessin" verstanden (hence Kleid 1), aber als sie beim Anblick des rosa Satin fragte, wo denn die anderen Farben wären, konnte ich mich nicht mehr um das Nähen eines zweiten Kleides drücken.

Da mir das erste Kleid sehr gut gefiel, wollte ich ein weiteres nach dem Schnitt nähen (Willemientje von Farbenmix). Für die Umsetzung meiner Regenbogenidee wurde das Schnittmuster noch verändert, hier die Auflistung aller Änderungen und eine kleine Skizze:
  • Saum vom Überrock begradigt (kein Bogenausschnitt)
  • Passe verlängert & mit Rock zu einem Schnittteil verbunden
  • dieses Schnittteil dann längs in Streifen geschnitten
  • Träger etwas nach innen versetzt

Technische Zeichnung

Generell sollte das Kleid weniger prinzessinenhaft werden, damit Kind1 es auch noch als normales Sommerkleid tragen kann. Ich entschied mich daher für einfache Baumwollstoffe, die ich um zwei selbstgefärbte Stoffe ergänzte, und ich freue mich echt, dass ich dieses Projekt komplett aus Bestandsmaterialen nähen konnte (wie wohl viele Näherinnen kaufe ich mehr Stoffe als ich vernähe, dieser Entwicklung möchte ich in 2015 mit einer Stoffstatistik etwas entgegensetzen).

Hier das Endprodukt:

Regenbogenkleid nach Farbenmix "Willemientje"

Stoffe: Blau und Grün sind Baumwollleinen von Stoff&Stil, Pink ist Baumwollstoff "Moire" von Buttinette, Rot ist irgendein Quiltstoff, Gelb und Orange sind selbstgefärbt (Ausgangstoff war ein weißer Quiltstoff), das helle Rosa vom Unterkleid ist Popeline Kornfeld vom Stoffekontor. Rot/Orange/Gelb gefallen mir durch ihre leicht melierte Struktur am besten, das Baumwollleinen ist ok, aus dem Buttinette-Stoff würde ich kein ganzes Kleid nähen, aber für Akzepte ist er auch ok (fällt nicht so schön). Die Popeline ist für das Unterkleid sehr gut, wäre mir für das Oberkleid aber zu steif (sie ist leicht und dünn, aber halt etwas steif).

Man kann in dem Kleid auch putzen, wenn man unbedingt möchte.

Das Kleid wurde im wesentlichen nach der Anleitung von Farbenmix genäht, am Rücken habe ich mich dabei das erste Mal an einem nahtverdeckten Reißverschluss versucht. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch wenn die beiden Hälften nicht ganz auf der gleichen Höhe abschließen - man muss ja auch noch Raum für Verbesserungen lassen :-). Zum Nähen habe ich meinen neuen Spezialfuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse benutzt und damit ging es - wie von einigen anderen Selbstnäherinnen auf Twitter schon angekündigt - tatsächlich sehr leicht.

Fuß für nahtverdeckten RV // Außenansicht RV // Innenansicht RV

Das war nicht der einzige Spezialfuß, der bei dem Kleid zum Einsatz kam - ebenso habe ich meinen neuen "Vertikalstich-Ausrichtungsfuß" und meinen "Kräuselfuß" verwendet (ich habe eine Schwäche für Nähfüße).

Ausrichtungsfuß // Ausrichtungsfuß // Kräuselfuß

Der Vertikalstich-Ausrichtungsfuß (in manchen Geschäften auch "Stichführungsfuß") ist ein Fuß mit einem eingebauten Lineal und eignet sich super für das genaue Abstandshalten beim Nähen. Im linken Bild sieht man, wie ich damit exakt eine Nahtzugabe von 1 cm einhalte, obwohl ich die Hilfslinien auf der Stichplatte nicht erkennen kann, weil ich den unten liegenden Stoff vom Oberkleid eher schlampig zugeschnitten habe (im angepassten Schnittmuster wollte ich keine Nahtzugabe einzeichnen und habe daher etwas improvisiert). Im mittleren Bild sieht man, wie ich den Fuß nutze, um beim Säumen eine zweite parallele Naht zu nähen.

Den Kräuselfuß (rechtes Bild, hier ein Produktvideo) habe ich schon länger, aber noch nie wirklich genutzt. Bei Willemientje kam er endlich zum Einsatz, da ich damit den Rüschensaum recht schnell annähen konnte: einfach einen extra langen Stoffstreifen säumen und direkt mit Hilfe des Kräuselfußes festnähen, dabei am Anfang ca. 5 cm Stoffstreifen nicht festnähen (für den späteren Ringschluss). Ein paar Millimeter vor Ende des Saumkreises habe ich dann den Rest des Stoffstreifens mit etwas Nahtzugabe abgeschnitten und das Ende des Stoffstreifens mit dem Anfang zusammengenäht (= Ringschluss). Dabei bleibt zwar ein Rest Saumstreifen übrig, aber dafür brauche ich nichts genau abmessen oder heften und mühselig verteilen. Ich habe den Saumstreifen erst mit dem Kräuselfuß an das Kleid genäht und danach die Kante noch einmal mit der Overlock versäubert.

Den Saum vom Oberkleid habe ich mit Satinband verstürzt. Ist nicht optimal, da sich das Satinband nicht so schön an die Rundungen anpasst, aber "it does the job". Zum Feststeppen das Saumes von außen habe ich wegen der vielen verschiedenen Farben mit Transparentgarn gearbeitet, was ich aus dem Quiltbereich kannte (ich habe auch eine Schwäche für Spezialgarne).

Saum vom Oberkleid von innen und außen

So. Mit dem Gesamtergebnis bin ich sehr zufrieden, jetzt hoffe ich, dass das Kleid im Sommer rege zum Einsatz kommt und die schwer entfernbaren Flecken lange auf sich warten lassen (die Tomatensauce im Kindergarten eignet sich nämlich auch super zum Stoffe färben).

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Anmerkung: ich habe beim Korrekturlesen dieses Blogartikels 15 Mal das Wort "übrigens" rausgestrichen. Irgendwie gruselig.

verlinkt bei creadienstag und meitlisache

Donnerstag, 12. Februar 2015

Geschlechterklischees - ein Mini-Rant zu Karneval

Heute morgen, auf dem Weg zum Kindergarten: "Mama, sind Prinzessinnen oder Ritter stärker?" Einfach. "Das hängt davon ab, wer mehr trainiert hat, Schatz, Prinzessinnen und Ritter können gleich stark sein."*

Die Nachbarin: "Aber Ritter beschützen doch die Prinzessinnen." Durchatmen. "In unserem Haushalt nicht. Bei uns beschützen wir uns alle gegenseitig!"

Bitte, liebe Miteltern: muss es sein, dass wir die Geschlechterklischees zu Karneval noch weiter befeuern?

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

*Ja, es gibt zwischen den Geschlechtern Unterschiede in der Muskelkraft, die biologisch bedingt sind. Recht gut finde ich dazu diese Erklärung der Uni Bochum. Aber darum geht es hier eigentlich nicht.

Dienstag, 10. Februar 2015

Spielerei: Stoffe färben mit Procion MX

Als ich letzte Woche erwähnte, dass ich für mein Regenbogenkleid noch ein paar Stoffe färben muss, fragte Madamsel, womit ich eigentlich färbe. Und da meine Antwort "Procion MX" bei vielen Näherinnen wahrscheinlich Fragezeichen hervorruft, dachte ich, ich stelle die Farben und meine bisherigen Erfahrungen damit einmal kurz vor. Vorher aber ein Wort der Warnung: wer dazu neigt, sich spontan in neue Kreativideen zu verlieben, sollte lieber nicht weiterlesen, das könnte sonst wieder ins Geld gehen.


Procion MX ist eine sogenannte Kaltwasser-Reaktivfarbe. Im Gegensatz zu Simplicol kann man damit kalt färben, dafür braucht man aber zusätzlich zur Farbe noch ein Reaktions- und Fixiermittel (in der Regel Sodalösung). Ich weiß gar nicht mehr, in welchem Zusammenhang ich über die Farben gestolpert bin, aber sie sind wohl bei Quiltern und Textilkünstlern sehr beliebt. Ich hatte mir jedenfalls schon 2011 das Buch "Färben in der Tüte" von Susanne Muuß bestellt, dann irgendwann mal den Craftsy-Kurs "Color Play for Quilters" belegt und dann die fixe Idee gehabt, den im Kurs vorgestellten Farbkreis doch mit Stofffarben umzusetzen.
Kleiner Einwurf: ich habe mich ja schon an verschiedenen Stellen als "Farblegastheniker" geoutet. Ich besitze kein intuitives Farbgefühl und daher nähere ich mich dem Thema von seiner theoretischen Seite, da ich es für das Nähen als sehr wichtig erachte. In diesem Zusammenhang belegte ich also den Craftsy-Kurs, und in diesem Kurs wird als eine der ersten Übung aus den drei Farben Gelb, Türkis und Magenta ein Farbkreis erstellt. Im Kurs wird aber nicht mit Stoffarben, sondern mit Acrylfarbe gearbeitet.
Gut, ich habe also die drei oben gezeigten Farben bestellt (bei patchworkshop.de), außerdem noch diverse Plastikspritzen, Messzylinder und eine Digital-Waage mit 0,01 g Genauigkeit (eine sogenannte "Fein-" oder "Goldwaage", ich selbst nenne sie gern meine "Dealer-Waage"). Die genauen Messinstrumente waren notwendig, da ich reproduzierbare Färbereihen erstellen wollte, natürlich kann man sich auch einfach seine Wunschfarbe fertig kaufen und dann braucht man diese Extras nicht. Was man aber noch benötigt sind Soda und Salz sowie Färbebehälter (Plastikbeutel oder -dosen). Eine sehr detaillierte Anleitung findet sich übrigens hier.

Mit diesem Equipment habe ich gezielt Farbreihen gefärbt, von Gelb zu Blau, von Blau zu Magenta und von Magenta zu Gelb. Ich habe dafür von den jeweiligen Farben jeweils 1%ige Farblösungen erstellt und in unterschiedlichen Mengen gemischt (Susanne Muuß geht in ihrem Buch detaillierter darauf ein, meine Vorgehensweise entspricht einer Kombination der Abschnitte "Stufenfärbung mit zwei Farben" und "Ein Weg zur Wunschfarbe"). Dabei habe ich wie von Frau Muuß vorgeschlagen ein "Färbeprotokoll" erstellt.

Färbeprotokoll nach "Färben in der Tüte" von Susanne Muuß

Das Ergebnis hat mich echt positiv überrascht. Nicht nur, weil die Farben extrem leuchtend und harmonisch waren, sondern vor allem, weil sich mir durch diese praktische Erfahrung das Thema Farben mischen und Farbkreis endlich mal erschlossen hat (ich hatte Kunst abgewählt, ähem). Im Folgenden ein Foto vom entstandene Farbkreis (die quadratischen Stoffstücke wurden pur gefärbt, die Stoffstücke dazwischen sind jeweils Mischungen aus den angrenzenden puren Farben):

Farbkreis, gefärbt mit Procion MX

Mit diesen Stoffproben und den notierten Rezepturen bin ich jetzt in der Lage, mir bei Bedarf meine Wunschfarbe herzustellen. Lange waren die Stoffproben Streichelstückchen, die ich aufgrund ihrer Farben einfach nur gerne angeschaut habe, beim Herbstquilt habe ich das Wissen erstmals praktisch anwenden können, und jetzt habe ich mir einen Teil der Stoffe für das Regenbogenkleid gefärbt. Und weil es praktisch keinen extra Aufwand gemacht hat, habe ich dabei auch ein paar hellblaue Stoffe gefärbt, für die ich aufgrund ihrer Farbe keine rechte Verwendung hatte (auf die Idee brachte mich Antje von machen statt kaufen - einfach mit Magenta überfärbt, um ein Lila zu erhalten). Das Ergebnis fand ich wieder überraschend: die Ausgangsfarbe der Stoffe war fast identisch, die Stoffqualität leicht unterschiedlich (ein Single- und ein Interlock-Jersey, beide aus einem Trigema Putzlappenpaket). Die Unterschiede in der Stoffqualität haben ausgereicht, um zwei sehr unterschiedliche Farben zu erzeugen, obwohl beide im selben Plastikbeutel mit der selben Farblösung gefärbt wurden. Wahrscheinlich enthält der Interlock etwas Synthetik? Ich färbe übrigens in Plastiktüten, die ich sicherheitshalber in einen Eimer stelle. Der Stoff kann sich so nicht frei bewegen, was eine leichte Struktur erzeugt (keine reiner Uni-Ton), aber genau diese Struktur finde ich reizvoll.

Jersey färben: links der ursprüngliche Farbton, daneben die gefärbten Stoffe

Eigentlich müsste ich auch einmal Färbereihen mit Schwarz erstellen, um gebrochene Farben besser zu verstehen. Und in Susanne Muuß' Buch gibt es noch jede Menge toller Ideen, die ich gern ausprobieren würde... der Tag hat einfach zu wenige Stunden.

Ach, bevor ich es vergesse: das Regenbogenkleid ist übrigens schon fertig. Dazu kommt aber demnächst noch ein eigener Blogpost.

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

verlinkt beim creadienstag

Freitag, 6. Februar 2015

Prinzessinenkleid nach Farbenmix "Willemientje", Teil 2 / Fertig

Voller Stolz präsentiere ich meine fertige Version von Farbenmix Willemientje:

Prinzessinenkleid nach Farbenmix "Willemientje"

Ich bin da ja eigentlich nicht so, aber bei diesem Kleid möchte ich am liebsten ein großes Schild ranhängen: "Schaut mal! Hab ich selbst gemacht! Ist das nicht toll?". Letzte Woche sah es ja schon recht gut aus, aber die Rüschen und auch der Bolero geben dem Kleid dann noch den letzten Schliff. Bei Farbenmix läuft der Schnitt unter der Kategorie "StarSchnittPattern" und irgendwie hat er wirklich etwas besonderes... das kann man auch daran erkennen, dass es unglaublich schwierig ist, das Kleid in angezogenem Zustand zu fotografieren, denn Kind1 fängt mit Drehen und Tanzen an, sobald sie es anzieht:


Die verwendete Stoffe sind von stoffe.de, Paillettenjersey und Brautsatin für das Kleid (in 3 verschiedenen Farben) und Wellness Flausch für den Bolero. Letzterer ist voll kuschelig toll, war aber durch das Volumen irgendwie biestig zu vernähen (meine Overlock hatte Schwierigkeiten beim Stofftransport).

Ein paar kritische Anmerkungen zum Schnitt möchte ich mir aber noch erlauben:
  • die Träger sind meiner Meinung nach zu nah an den Schultern. Ja, Kind 1 ist eher schmal & der Satin sehr rutschig, aber wenn man sich andere Fotos des Kleides im Netz ansieht, scheint es verbreitet zu sein, dass die Träger fast von der Schulter rutschen. Gefällt mir nicht so und ich werde den Schnitt für die nächste Version des Kleides anpassen.
  • der Bolero-Schnitt ist sehr knapp: nach der ersten Anprobe des Boleros war ich enttäuscht, wie knapp er ausfällt (eng und Ärmel zu kurz). Ich habe dann zusätzlich eine Blende und einen extrabreiten Ärmelsaum angenäht und bin jetzt zufrieden.
  • die Beschriftung der Bolero-Schnittmusterteile ist mangelhaft: aus dem Schnittmuster ist nicht ersichtlich, wo beim Ärmel vorn und hinten ist! Ich habe mir dann überlegt, dass das längere Ärmelstück wahrscheinlich nach hinten gehört (weil sich das mit meinen bisherigen Erfahrungen deckt), aber genau weiß ich es nicht. An Ärmel gehören unbedingt Passzeichen.
Ich finde das Schnittmuster nicht perfekt, aber trotzdem sehr gut gelungen (Anmerkung: ich habe es etwas angepasst, damit das Kleid etwas "prinzessiger" ist, Details findet ihr hier). Einem Anfänger würde ich den Schnitt nicht empfehlen, aber mit etwas Näherfahrung ist er wirklich schön - bodenlange Rüschenkleider sieht man ja nicht so häufig.

Mit der gleichen Schnittmusterbasis möchte ich jetzt übrigens noch ein "Regenbogenprinzessinenkleid" nähen, dafür habe ich den Schnitt noch weiter angepasst: beim Oberkleid habe ich die Schnittteile von Ober- und Unterteil miteinander verbunden (jeweils für die Vorder- und Rückseite) und anschließend längs in Streifen geschnitten. Für die Rückseite sehen die zugeschnittenen Teile dann so aus:


Bei der Vorderseite habe ich außerdem den bogenförmigen Saum durch einen geraden Saum ersetzt. Jetzt muss ich aber erstmal in die "Färbeküche", da mir noch Stoff für die gelben und orangenen Regenbogenstreifen fehlt und ich diesen gern wieder selbst färben möchte.

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

verlinkt bei meitlisache

Dienstag, 27. Januar 2015

Prinzessinenkleid nach Farbenmix "Willemientje", Teil 1 / WIP

Karneval. Karneval. Karneval. Nur, falls in meinem Blogpost irgendwo "Fasching" steht - ich weiß wohl, dass es an meinem derzeitigen Wohnort Karneval heißt, doch ich bin nun einmal mit "Fasching" aufgewachsen (genaugenommen sagt man hier wohl "Fastelovend", aber daran kann ich mich erst recht nicht gewöhnen). Aber unabhängig vom Namen - für diese Gelegenheit schneidere ich Kind1 gerade ein Kostüm. Ein Prinzessinenkleid war gewünscht. Eigentlich ein "Regenbogenprinzessinnenkleid", aber ich habe nicht richtig zugehört und jede Menge rosa Satin gekauft, also werde ich wohl zwei Kleider nähen - ein rosa Prinzessinenkleid, was anschließend in die Verkleidekiste wandert, und ein Regenbogenkleid, was hoffentlich noch als Sommerkleid getragen werden kann.

Als Schnitt dafür hatte ich mir "Willemientje" von Farbenmix ausgesucht. Dem Göttergatten war das allerdings nicht prinzessinenhaft genug, und daher habe ich folgende Skizze angefertigt:

Glücklicherweise muss ich mein Geld nicht mit Zeichnen verdienen.

In Nähterminologie: die Passe von Willemientje soll zu einem echten Oberteil verlängert werden und zusätzlich kommt über den Oberrock noch ein Schößchen. Durch die Verlängerung des Oberteils kann ich den Reißverschluss am Rücken durch Druckknöpfe (KamSnaps) ersetzen - für ein Kostüm meiner Meinung nach völlig ausreichend. Hier ein Foto vom Schnittteil der rückwärtigen Passe/Rückenoberteil, da kann man die durchgeführten Änderungen am besten erkennen:

Der rot schraffierte Teil entspricht dem Originalschnitt (ohne Nahtzugabe).

Ich habe das Schnittmuster für die Passe um 12 cm nach unten verlängert, etwas zusätzliche Breite für eine Knopfleiste hinzugefügt und auf Taillenhöhe den Schnitt 1 cm verbreitert (insgesamt also 4 cm mehr Umfang, denn bis auf die Knopfleiste habe ich die gleichen Änderungen auch am Vorderteil gemacht). Kind1 misst derzeit 114 cm und ist eher schmal, bei Schnittgröße 110/116 führen die Änderungen zu einem bodenlangen Kleid, unter das auch gut noch ein Langarmshirt passt (nicht stilecht, aber im Februar muss man auch mal mit Temperaturen unter 20°C rechnen).

Den Stoff habe ich übrigens bestellt, noch bevor ich den Schnitt in der Hand hatte. Da ich aus den Farbenmix-Angaben zum Materialbedarf nicht schlau geworden bin, habe ich pauschal je 2 m (Polyester)Satin in 3 verschiedenen Rosatönen und zusätzlich 1 m Pailettenjersey gekauft (bei stoffe.de). Mittlerweile weiß ich mehr: auf der Farbenmix-Seite stehen Verbrauchsangaben für Oberkleid, Unterkleid, Futter und Tüll. Die auf dem Schnittmuster abgebildete Version besteht aus Oberkleid und Unterkleid, die Angaben für Futter und Tüll kann man also ignorieren, falls man diese Version nähen möchte, aber man könnte das Kleid eben auch noch zusätzlich abfüttern oder anders kombinieren. Ich entschied mich für die Version "Oberkleid + Unterkleid + 3 Reihen Rüschen". Der Stoffverbrauch der Rüschen ist übrigens auch nicht zu verachten, für 3 Reihen Rüschen braucht man ca. 1 m Stoff, aber das geht aus der Verbrauchstabelle interessanterweise nicht hervor (oder ich hab's nicht kapiert). Mein Rat ist also: erst den Schnitt besorgen, dann überlegen, welche Version man nähen möchte, und auf dieser Basis dann den Stoffverbrauch selbst kalkulieren.

Die Nähanleitung für das Kleid auf der Internetseite (hier) ist übrigens gut, allerdings sollte man sie auch lesen (duh!). Ich hab' sie nur überflogen und dachte arrogant, dass das ja so schwierig nicht sein kann... beim Nähen musste ich anschließend mehrfach meinen Nahttrenner bemühen. Naja, so ist wenigstens der Lerneffekt größer. Apropos Lerneffekt: das Kleid ist mit der Foto-Anleitung nicht schwierig, enthält aber schon Elemente, die es zu einem technisch interessanten Projekt machen: Godets (mit schrägem Fadenlauf nähen), gedoppeltes Oberteil (Reihenfolge beim Nähen & Wenden muss beachtet werden), Unterrock (Oberteil wird zwischen Ober- und Unterrock gefasst).

Wie man aus dem Posttitel erkennen kann, ist das Kleid noch "Work In Progress" (WIP), aber hier ist ein Foto vom Zwischenstand:

Pink. Und Glitzer.

Das Schößchen aus dem Paillettenjersey ist im Originalschnitt nicht enthalten, sondern grob nach einer Anleitung von "The Scientific Seamstress" gefertigt. Ich habe ein Rechtecke von ca. 30 cm Breite und 1 m Länge genommen, es an jeweils einer kurzen und einer langen Seite gerafft (anders als in der verlinkten Anleitung, welche an beiden kurzen Seiten rafft; außerdem habe ich den Jersey auch nicht in der Mitte gefaltet) und das Ergebnis nach Augenmaß am Rockteil festgesteckt (die ungeraffte kurze Seite ist am Rücken und fällt einfach glatt nach unten).

Was noch fehlt:

  • der Verschluss am Rücken - geplant sind mit Stoff überzogene KamSnaps
  • die Rüschenreihen/der Rüschensaum

Für die Rüschen habe ich die annähernd 30 m Stoffstreifen schon "gerollsäumt". Glücklicherweise habe ich dafür meine Overlockmaschine - ich frage mich, ob dieser Schnitt auch schon einmal ohne Overlock genäht wurde, die Rüschenvariante würde ich definitv nur empfehlen, wenn man eine schnelle Möglichkeit zum Säumen oder sehr viel Geduld besitzt (falls ihr es überlesen habt: 30 m!).

Nur echt mit der Goldkante.
Ehrlich gesagt grusle ich mich etwas davor, diese Stoffstreifen jetzt zu Rüschen zu verarbeiten, aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Ich werde davon berichten. Und wie immer gilt: ich freue mich über Kommentare!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

verlinkt beim creadienstag

Donnerstag, 22. Januar 2015

Überarbeitete Klamottenliste für Kindergartenkinder

So, mit etwas Verspätung kommt hier meine nach dem SWAP aktualisierte Kindergartenkinder-Klamottenliste. Im Vergleich zur ursprünglichen Liste (hier zu finden) habe ich eine Sommer- und Winterversion erstellt sowie wirklich alles aufgezählt, was meiner Meinung nach an Kleidungsstücken notwendig ist. Wahre Minimalisten würden die Liste wahrscheinlich noch weiter einkürzen, in diesem Umfang ist sie aber für unsere aktuellen Lebensumstände (Klima, Feinmotorik von Kind1 und Waschhäufigkeit) perfekt. Außerdem habe ich berücksichtigt, dass sich ein Teil der Kleidung stets als Reserve im Kindergarten befindet und wir auch mal eine Woche in den Urlaub fahren und in dieser Zeit nicht waschen können (deshalb komme ich bspw. auf 16 Unterhosen).

Die wesentlichen Änderungen zur ersten Liste:
  1. weniger Strumpfhosen: manchmal sind Strumpfhosen nötig, meist will Kind1 aber ohnehin keine anziehen. Ersetzt durch zusätzliche Leggings.
  2. weniger Cardigans/Sweatjacken: die Kombination Langarmshirt/Kurzarmtunika hat sich als extrem erfolgreich herausgestellt und machte Cardigans/Sweatjacken weitgehend überflüssig.
  3. eine Mütze reicht: Kind1 trägt Schlauchtücher, für kältere Temperaturen habe ich dafür extra welche mit Nicki genäht. Reicht aus und passt auch viel besser unter den Fahrradhelm.
So, und hier nun - tada - die Liste:

Basics
  • 3 Nachthemden
  • 10 Paar Socken (2 KiTa)
  • 16 Unterhosen (2 KiTa)
  • 4 Unterhemden
  • 2 Cardigans
  • 1 Sweatjacken
  • 1 Weste
  • 3 Paar Hosen (1 KiTa)
  • 3 Paar Leggings
  • 5 Kurzarm-Tuniken (1 KiTa)
  • 5 Langarm-Shirts (1 KiTa)
  • 2 Matschhosen ( 1 KiTa)
  • 1 Regenjacke
  • 2 Paar Gummistiefel (1 KiTa)
  • 2 Schlauchtücher
  • 1 Fahrradhelm
  • 1 Badeanzug
  • 1 Bademantel
  • 2 Paar Hausschuhe (1 KiTa)
  • Sportbeutel KiTa: Ballerinas, Sweathose, Shirt

zusätzlich im Sommer-Halbjahr
  • 1 Sommerjacke /-mantel
  • 3 Sommerhüte/Basecaps o.ä. (1 KiTa)
  • 2 Sommerhosen (bspw. Leinen)
  • 5 Kurzarmshirts/Tuniken (1 KiTa)
  • Schuhe: 1 Paar Sandalen, 1 Paar Sneaker/Stoffschuhe, 1 Paar Lederschuhe


zusätzlich im Winter-Halbjahr
  • 1 Winterjacke/-mantel
  • 1 Skihose
  • 1 Skianzug
  • 3 Paar Strumpfhosen (1 KiTa)
  • 3 Paar dünne Handschuhe (1 KiTa)
  • 1 Paar Skihandschuhe
  • 2 Winter-Schlauchtücher
  • 1 Mütze
  • 2 Hosen (etwas dicker od. gefüttert)
  • 5 Langarm-Shirts (1 KiTa)
  • Schuhe: 2 Paar Winterstiefel, 1 Paar Lederstiefeletten

Falls ihr das ganze so praktisch findet, dass ihr gern eine Version zum Ausdrucken möchtet, findet ihr hier eine Version als Google Doc. Ich freue mich über Kommentare!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Montag, 19. Januar 2015

Lektionen aus KinderSWAP H/W 2014 - mein Fazit

So, bevor der Winter vorbei ist (der Frühling rückt ja immer näher, oder ist das Wunschdenken?), möchte ich gern über die Ergebnisse meines KinderSWAPs berichten. Im September habe ich mit diesem Projekt begonnen (hier beschrieben), genäht habe ich dafür:
  • 4 Langarmshirts (Schnitt Nr.25/"More Grey", Ottobre 4/2011)
  • 3 Tuniken (hier verbloggt)
  • 2 Paar Sweathosen (Schnitt Nr.23/"All-Time Favorite", Ottobre 1/2012)
  • 1 Mütze (Schnitt Nr.11, Ottobre 4/2011)
  • 3 Leggings (Schnitt Nr.26, Ottobre 6/2012)
  • 2 Paar Turnschläppchen (Schnitt "Bepuscht" von Farbenmix)

Damit konnte ich Kind1 natürlich nicht komplett ausstatten, es musste auch etwas Kaufkleidung her. Gekauft habe ich:
  • 1 Winterjacke mit passender Weste
  • 1 Matschkombi Jacke/Hose, gefüttert
  • 2 Matschhosen
  • 2 Jeans
  • 1 Bluse
  • 1 Strickjacke
  • 1 Schlafanzug
  • 3 Paar Handschuhe (1 Paar ist mittlerweile schon kein Paar mehr...)
  • div. Socken, Strumpfhosen und Unterhosen

Außerdem hat Kind1 noch 3 Shirts, 1 Pullover, 1 Langarmshirt, Socken und Unterhosen von den Großeltern geschenkt bekommen und natürlich noch diverse Sachen in der alten Größe gehabt, die hemmungslos bis zum bitteren Ende (der Größe oder des Materials) getragen werden mussten.

MamaMade: Langarmshirt, Leggings, Schläppchen

Insgesamt bin ich zufrieden mit der Umsetzung meines Plans. Der Kleiderschrank ist jetzt etwas lila-lastig, aber dafür passt fast alles zusammen und das Anziehen wird wie beabsichtigt einfacher. Außerdem habe ich durch die strukturierte Herangehensweise einiges gelernt:

  1. Kaufjeans sind ätzend/ich muss mehr Hosen nähen: Kind1 ist groß und schmal, und ich finde es sehr schwierig (unmöglich?), gut sitzende Jeans mit elastischem Bund zu finden. Bis vor kurzem hatten wir somit ständig Hosenmangel, da ein Paar Kaufjeans zu lang war und ihre alten Leggings nach über einem Jahr einfach durch waren (mehrfach geflickt, aber irgendwann hilft das nicht mehr). Sie hat somit praktisch in den zwei im September genähten Sweathosen gelebt & ich hätte auch gut noch ein drittes Paar gebrauchen können. Mit den letzte Woche frisch genähten Leggings und den neu gekürzten Hosen (Umschlag, zum Wiederauftrennen) sieht es jetzt etwas besser aus, aber ich werde wohl generell mehr Hosen nähen müssen.
  2. Tuniken sind super: Kind1 mag sie, und sie passen zu allem: zu Jeans, zu Leggings, mit einem Langarmshirt drüber oder drunter - geht alles. In den letzten Tagen hat Kind1 sie häufiger verkehrtherum angezogen, und selbst das geht (ich bin froh, dass sie sich endlich selbst anzieht und diskutiere da nicht rum). Über den Schnitt habe ich ja schon in meinem Blogbeitrag zu den Tuniken (hier) geschwärmt. Meine Vermutung ist, dass Kind1 sie wohl nicht an die kleine Schwester vererbt, sondern sie bis zum Auseinanderfallen tragen wird.
  3. Weiße Langarmshirts müssen nicht langweilig sein: ich habe lange über die Farben der verschiedenen Bekleidungsschichten (Kontext: Zwiebel-Look) nachgedacht und schließlich beschlossen, nur in der "Kurzarm-Schicht" richtig Farbe zuzulassen. Das kommt einem im ersten Moment extrem langweilig vor, erhöht aber die Anzahl der Kombinationsmöglichkeiten und verringert die Wahrscheinlichkeit für augenkrebserzeugende Zusammenstellungen. Damit die Shirts nicht ganz so öde daherkommen, sind Aufbügler eine gute Alternative - druntergezogen sieht es niemand/die Farben stören nicht, drübergezogen sieht es trotzdem nicht langweilig aus. Durch meinen Schneideplotter kann ich ja die Motive selbst schneiden (siehe auch mein Beitrag letzte Woche) und Kind1 durfte somit selbst bestimmen, was auf die Shirts kommt (Nachteil: ich soll jetzt mehr Glitzerfolie in verschiedenen Farben kaufen).
Ich bin zufrieden mit dem SWAP, auch wenn ich bei weitem nicht soviel genäht habe, wie ich wollte. Die Systematik möchte ich auf jeden Fall beibehalten, vielleicht schaffe ich es ja damit auch, noch bedarfsgerechter zu nähen und den Anteil an neuer Kaufkleidung zu reduzieren bzw. komplett durch Second Hand zu ersetzen (mit Ausnahme von Socken und Unterwäsche). Aufgrund der Erfahrungen der letzten Monate habe ich meine Klamottenliste übrigens nochmal angepasst - falls es Euch interessiert, könnt ihr die aktualisierte Liste hier anschauen.

MamaMade: Tunika, Langarmshirt, Sweathose

Und für die nächsten Monate? Kind1 hat jetzt eine Basisgarderobe, die sie auch noch durch den Frühling bringen wird. In den letzten Tagen wollte sie auch wieder Röcke und Kleider tragen, aber vielleicht kann ich die gesteigerte Nachfrage ja mit einem ihrer Karnevalskostüme decken. Für heiße Sommertage muss ich mir noch Gedanken um passende Ergänzungsstücke machen - wahrscheinlich sollte ich noch zwei einfache/luftige Leinenhosen nähen - aber dafür ist ja noch Zeit.

Als nächstes nähe ich das eben erwähnte Karnevalskostüm - eine "Regenbogenprinzessin" wurde gewünscht. Und wenn das endlich abgearbeitet ist, bin ich an der Reihe - nach den jetzt guten Erfahrungen übrigens auch als SWAP. Ich freue mich schon drauf!

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Dienstag, 13. Januar 2015

Über Haie, Sterne und Krönchen - Erfahrungen zu diversen Bügelfolien

Zu Jahresbeginn habe ich drei Langarmshirts für Kind1 genäht und mit Bügelbildern verziert, und so dachte ich, ich schreibe mal etwas über die diverse Bügelfolien, die ich bisher ausprobiert habe.

Drei individuelle Langarmshirts nach Ottobre 4/2011, Schnitt 25 ("More Grey", Raglanshirt)

Vorab ein paar allgemeine Hinweise: ich schneide die Bügelbilder mit einem Silhouette Cameo Hobbyschneideplotter und nutze zum Aufbügeln eine Elnapress Limited Edition. Meist verziere ich selbstgenähte Kleidung und bügle die Motive direkt nach dem Zuschneiden auf die Schnittteile auf, also vor dem Zusammennähen des Kleidungsstücks. Die Bezugsquellen für die unten genannten Folien sind Neptun Kreativshop und Hobbyplotter.de.

Flexfolie: Neptun Flex Design und Hobbyplotter Flex Cut Folie

Ich habe bisher die Flexfolie von Neptun (in rot) und die Hobbyplotter Hausmarke (in gelb, grün und lila) ausprobiert und war stets zufrieden. Die Folien scheinen mir nicht identisch, selbst innerhalb einer Marke gibt es zwischen den Farben geringfügige Unterschiede (zumindest hatte ich das Gefühl, dass die Trägerfolie beim Hobbyplotter Lila stärker klebt als bei den anderen beiden Farben), die Unterschiede sind meiner Meinung nach aber bei sorgfältiger Arbeit vernachlässigbar. Flexfolien sind die günstigsten Folien und sie lassen sich am besten mit dem Kleidungsstück verbinden, damit sind sie für mich die allgemeinen Basisfolien.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flexfolie geschnitten und die Trägerfolie noch heiß abgezogen.

Ich nehme die Flexfolie übrigens gern, um Größen"etiketten" für meine selbstgenähten Kleidungsstücke zu erstellen.

Selbst erstellte Größenetiketten - super Anwendung für Flexfolie

Beim Geburtstagsshirt meiner Tochter hatte ich ein zweifarbiges Motiv erstellt und die Farben übereinander aufgebügelt, was problemlos funktioniert hat (bei der zweiten Farbe mit Backpapier über dem Gesamtmotiv, um nicht die erste Farbe am Bügeleisen zu haben). Nach mehreren Wäschen scheint die zweite Farblage aber etwas brüchig zu werden - liegt wohl daran, dass ich sie auf eine durchgehende erste Farbschicht gebügelt habe und der so "versiegelte" Untergrund nicht so flexibel ist, was sich bei dem recht großen Motiv dann negativ bemerkbar macht.

Zweifarbiges Bügelbild, Original mit Kakaofleck!

Neptun Flock Design

Flockfolien sind etwas teurer als Flexfolien und haben eine samtartige Oberfläche. Durch die Oberflächenstruktur wirkt das Bügelbild meiner Meinung nach etwas hochwertiger, allerdings ist die Folie auch etwas steifer als Flexfolie (allerdings nicht so steif wie die noch folgende Holographiefolie). Mit der Neptun Flockfolie habe ich gute Erfahrungen gemacht, ich habe daraus problemlos sehr detaillierte Motive ausschneiden können (man beachte die Atomgewichte im "PSE-Cute" unten) und die Bügelbilder haben alle bisherigen Wäschen gut überstanden. Eine Kombination aus Flex- und Flockdesign sieht bestimmt auch schön aus, habe ich aber bisher nicht probiert.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flockfolie geschnitten und die Trägerfolie vor dem Abziehen leicht abkühlen lassen (funktionierte besser als heißes abziehen).

Mal nicht selbstgenäht, sondern nur Kaufkleidung individualisiert.

Glitzerfolie: Neptun Holographie Design und Neptun Glitzer Design

Glitzer ist bei uns im Haus der ganz große Renner, also habe ich mich auch mal an Glitzerfolie versucht. Mein erster Versuch war die Neptun Holographie Folie. Diese Folie hat eine glatte Oberfläche und ist auch nach dem Aufbügeln noch recht steif; für große, flächige Motive ist sie daher weniger geeignet. Ich habe zwei verschiedene Motive auf die Sweathosen für Kind1 gebügelt, und da diese Hosen im Dauereinsatz sind, kann ich hier mal zwei Härtetest-Ergebnisse zeigen:

Links eine Sternchen-Kombination, rechts ein schmetterlingsjagender Hai

Beide Motive befinden sich auf dem unteren rechten Hosenbein. Das eher feine Sternenmotiv hat sich gut gehalten (wobei ein paar der kleinen Sterne - Motivgröße ca. 1 cm - abgefallen sind), das großflächige Hai-Motiv hingegen hat seine Farbe verloren! Die Folie ist noch da, aber irgendwie wurden die Farbpigmente rausgewaschen oder der optische Effekt durch die häufige Belastung zerstört.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flockfolie geschnitten und die Trägerfolie heiß abgezogen.

Da ich von der Holographiefolie nicht so begeistert war, habe ich anschließend die Neptun Glitzer Design Bügelfolie probiert. Diese Folie kann man von der Struktur mit der Flockfolie vergleichen (ähnliche Dicke/Flexibilität), allerdings ist sie nicht samtig, sondern besitzt eine rauhe, glitzernde Oberfläche (ähnlich wie feines Schleifpapier). Ich habe die Folie einmal als einzelnes großes Motiv (die Krone im Foto ganz oben) und einmal in Kombination mit Flexfolie als kleines Motiv auf je ein Shirt gebügelt, allerdings haben diese Shirts bisher nur zwei Wäschen hinter sich und es lässt sich noch nichts über die Dauerfestigkeit berichten (diese beiden Wäschen hat die Folie aber problemlos überstanden). Ich finde sie aber sowohl von der Optik als auch Haptik deutlich schöner als die Holographie-Folie.
Zur Verarbeitung: Ich habe die Folien mit den Standardeinstellungen für Silhouette Flockfolie geschnitten und die Trägerfolie heiß abgezogen.

Detailaufnahme der Schmetterlinge vom oben gezeigten Shirt, Glitzerfolie über Flexfolie

Generell muss ich sagen, dass mir die Arbeit mit den Folien echt Spaß macht, zumal man mit dem Schneideplotter wirklich schöne Motive erstellen kann (man könnte die Folien aber auch mit der Schere ausschneiden). Und weil das Thema Bügelfolien vielleicht noch andere Selbermacherinnen interessiert, schicke ich es noch ganz schnell zum creadienstag. Danach aber ab ins Bett :-)

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Was die Näherin (nicht) braucht

So. Das Universum will mich zwar mit aller Macht (in Form von grippalen Infekten, Magen-Darm-Viren und einem nachtschlafunwilligen Kind2) vom Nähen und Bloggen abhalten, aber ich gebe nicht auf. Und bevor Weihnachten ist, will ich mich noch unbedingt an der Nähgadget-Aktion von der Drehumdiebolzeningenieurin beteiligen. Da ich aber kaum richtige Nähgadgets besitze, möchte ich Euch lieber erzählen, was ihr Euch eher nicht zu wünschen braucht:

3 mal Fail: Aqua Fixierstift, flexibles Kurvenlineal und selbstgebauter Bügelamboss

  1. Den Prym Aqua Fixierstift: ursprünglich gekauft als Hilfsmittel zum Reißverschlusseinnähen. Im Prinzip macht ein UHU- oder Prittstift aber das gleiche, finde ich.
  2. Das Prym Kurvenlineal: irgendwo hatte ich am Anfang meiner Nähkarriere mal gelesen, dass dieses Lineal ganz toll sei. Habe leider vergessen, für was, und bisher habe ich auch keine Einsatzmöglichkeit gehabt, bei der es ein normales Maßband nicht auch getan hätte.
  3. Einen selbstgebauten Bügelamboss: nachdem ich "Shirtmaking" von David Coffin gelesen hatte, brauchte ich unbedingt einen Bügelamboss. Leider war ich zu geizig, das Geld dafür auszugeben, und habe mir von einem Bekannten einen bauen lassen. Nun, das war am falschen Ende gespart: es kommt bei den Dingern nicht nur auf die Form, sondern auch auf ein paar Fertigungsdetails an, die der Durchschnittstischler vielleicht nicht kennt. Santa Lucia Patterns empfiehlt ja http://buegelamboss.de/ als Bezugsquelle, vielleicht kaufe ich mir dann irgendwann doch mal noch einen richtigen.

Und jetzt noch schnell eine Liste meiner Lieblingshelferlein:

  1. Feine Glaskopfstecknadeln: Als ich mit Nähen begann, arbeitete ich mit einem Haufen alter Stecknadeln von meiner Mutter. Die Entscheidung, diese wegzuwerfen und durch "frische" Nadeln zu ersetzen, hat meine Näherlebnis entscheidend verbessert. Ich benutze die feinen Clover Patchwork Stecknadeln - sie verbiegen sich zwar leicht, sind aber wirklich wunderbar leichtgängig und auch für feine Stoffe geeignet.
  2. Clover Natural Fit Lederfingerhut: Tolles Ding. Damit wird Handnähen richtig komfortabel.
  3. "Stoffgewichte" aus dem Baumarkt: Warum habe ich eigentlich so lange gewartet, bis ich mir eine Packung Unterlegscheiben gekauft habe? Macht das Zuschneiden deutlich komfortabler. Könnte man übrigens auch mit Bändern oder Stoffen umwickeln und dann an Nähnerdfreundinnen verschenken.

Bei praktischem jedem Projekt dabei: Lederfingerhut, feine Stecknadeln, Unterlegscheiben

So. Und jetzt muss ich unbedingt noch ein paar Mützen für meine Kinder nähen. Irgendwie wachsen die Dickköpfe so schnell...

Liebe Grüße,
Frau Lotterfix